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Montag, 22. Dezember 2014

von Beni Wyss

Eine beachtliche Schar Zischtigsgrüppeler, es waren gegen 30 Turner/innen, machte sich am letzten Dienstagabend auf zur Adventswanderung. Für mich war es die erste gemeinsame Aktion mit der Zischtigsgruppe, und ich sage Euch ich werde nicht mehr so schnell etwas unternehmen mit diesem Haufen. Ich wurde nämlich unsanft aus dem Schlaf gerissen und musste in den kalten Abend hinaus. Aber man soll ja das positive sehen und solches gab es durchaus. Die Fotoschnitzeljagd war von Andrea mit ihren Gehilfinnen Stephie und Esther super organisiert und sehr spannend. Alle Jäger waren von Anfang bis Schluss eifrig unterwegs. In fünf Gruppen gingen wir in die frühlingshafte Winternacht hinaus. An den einzelnen Posten mussten wir entweder einen Christbaum schmücken, uns lustige Hüte aufsetzen, Gruppenfotos machen etc. Und wie es sich für meine Generation und die heutige moderne Zeit gehört, machten wir eine WhatsApp-Gruppe. So wussten wir stets, wo alle unterwegs waren und wie originell, ja ich würde fast sagen wie kindisch einige die Aufgabe lösten. Mit dieser Bemerkung nehme ich natürlich meine „orange“ Gruppe aus. Da waren eigentlich alle äusserst vernünftig und kreativ. Aber seht selber auf den Fotos. Meine Vorfreude war gross denn es hiess, an jedem Posten würde es etwas zu trinken geben, gab es ja auch, aber an mich wurde wie so häufig nicht gedacht. Wo überall man in die Boxen schaute nur Weisswein, kein Schluck Milch war drin. Weisswein, wer trinkt das schon, was ist das für eine Sportlergruppe? So wurde ich in ein Tuch gewickelt die ganze Zeit herumgeschleudert und musste mich schier übergeben, denn es ging kreuz und quer durch Willisau, aber wie gesagt weder geeignetes Essen noch Trinken lagen für mich drin, was ist das für eine egoistische Bande, diese sogenannte Zischtigsgruppe? Sparmassnahmen hiess es, zu wenig Geld in der Kasse, für Milch und Fencheltee, eine Schande! Ach wie freute ich mich da, als wir endlich im Restaurant Mohren ankamen. Das Restaurant war wunderschön weihnachtlich geschmückt und vor allem es roch himmlisch. Doch ich ahnte es schon, mich hatten wieder alle vergessen, kein Gedeck, keine Schoppen, nichts. Die anderen assen nach der Schnitzeljagd einen, so wie sie mir versicherten, wunderbaren Schnitzel-Fitnessteller. Jetzt hatte ich aber genug, lauthals machte ich mich bemerkbar und erst jetzt wurde man auf mich aufmerksam. Zuerst versuchte mich ein etwas kleinerer, aber doch recht lauter, eher unangenehmer Turner zu trösten. Bei ihm war ich ehrlich gesagt nicht sehr wohl, hatte ich doch die ganze Zeit Angst, dass er mich fallen lassen würde. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob er nicht zu viel getrunken hatte. Der verdächtige Geruch, der seinem Mund entstieg, wiederstrebt mir nämlich ehrlich gesagt schon genetisch höllisch. Doch dann nahm mich ein anderer, äusserst sympathischer, durchtrainierter Turner in die Arme. Anscheinend gibt es auch ein paar wenige solche in der Zischtigsgruppe. Seine Wärme und seine Ausstrahlung liessen mich für einige Zeit meinen Hunger und Durst vergessen. Wenn doch nur alle Zischtigsturner so fürsorglich wären, ach wie wunderbar wäre da die Welt. Aber irgendwann übermannte mich der Hunger tierisch. Genug ist genug, immer wieder wurde ich in der Vergangenheit hungern gelassen, irgendeinmal reichte es mir vollends. Doch ich hätte gescheiter nichts gesagt, denn jetzt rissen mich meine Eltern aus diesen fürsorglichen Armen und schleppten mich schon bald nach Hause. Ich sage Euch, wenn ich mir „säuber lüegu“ können hätte, ich wäre geblieben. Das Fest hatte ja erst gerade begonnen.
So ging ein für mich absolut „abverheiter“ Abend zu Ende und es blieben viele offene Fragen im Raum stehen. Wer würde jetzt Andrea für ihre tolle Arbeit das ganze Jahr hindurch danken? Wer würde ihr das schon vor langer Zeit organisierte Geschenk überreichen? Wer würde am Schluss den Alpenbitter, welchen ich sicherlich bei der letzten Tischrunde auch bekommen hätte, trinken?
Am nächsten Tag wurde mir dann aber zu meiner Beruhigung zugetragen, dass bis zu später Stunde erstaunlicherweise alles zur vollsten Zufriedenheit aller erledigt wurde. Wenigstens das klappt, aber ich denke ich muss mir das wohl gut überlegen, ob ich mich in Zukunft wirklich dieser Zischtigsgruppe anschliessen soll.  

Thierry am Abgrund, ähh AmBord