Velotour der Zischtigsgruppe – sportlich begonnen, fragwürdig beendet
Bei hochsommerlichen Temperaturen machten sich am 23 Juni 2026 gut 30 Turnerinnen und Turner auf zur traditionellen Velotour der Zischtigsgruppe. Bei dieser Hitze war bereits das Aufsteigen aufs Velo als sportliche Leistung zu werten – über das Tempo und allfällige Zwischenhalte schweigen wir an dieser Stelle grosszügig. Wie viel tatsächlich gestrampelt und wie viel unterwegs bereits über den bevorstehenden gemütlichen Teil des Abends diskutiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
Ich selbst musste mich leider von der diesjährigen eigentlichen Velotour entschuldigen. Der Grund war allerdings durchaus ehrenhaft: Der schon etwas altersweise – man könnte auch sagen leicht senile – Hund von Sarah und Stefan brauchte eine verantwortungsvolle Betreuung. Gleichzeitig wartete zu Hause eine mindestens ebenso anspruchsvolle Aufgabe auf mich: Die Glut musste beim Eintreffen des Trosses exakt die richtige Temperatur haben. Aufgrund teils einschlägiger Erfahrungen aus den Vorjahren entschied ich mich zudem, die Verantwortung über Speis und Trank dieses Mal sicherheitshalber gleich selbst zu übernehmen.
Wettermässig herrschten einmal mehr beste Bedingungen. Erfahrungsgemäss bleibt es an unserer Velotour ja eigentlich immer trocken. Während rundherum Gewitter aufziehen können und anderswo vermutlich bereits Keller ausgepumpt werden, scheint über der Zischtigsgruppe zuverlässig die Sonne – heuer muss man allerdings schon fast sagen: leider. Offenbar haben wir irgendwann unbemerkt einen Exklusivvertrag mit Petrus abgeschlossen.
Nach erfolgreicher unfallfreier Rückkehr wurde gegessen, getrunken, erzählt und viel gelacht. Die Stimmung war ausgezeichnet, der Abend warm, die Spiessli gewohnt lecker, die Getränke kühl und überhaupt alles ausgesprochen gemütlich.
Bis zu einem gewissen Zeitpunkt.
Danach lief die Veranstaltung unglücklicherweise etwas aus dem Ruder.
Eine gewisse Eigendynamik entwickelte sich. Teebeutel flogen durch die Luft, kleine selbsternannte Picassos verewigten sich an den Wänden der Wohnung und gewisse Turnerinnen und Turner konnten es gar nicht unterlassen, das ganze Haus auf den Kopf zu stellen.
Wobei – nach eingehender Betrachtung der Beweislage muss diese Aussage möglicherweise korrigiert werden:
Das Haus stand vermutlich noch richtig herum. Es waren eher gewisse Turnerinnen, die Kopf standen.
Warum man im fortgeschrittenen Verlauf einer Velotour plötzlich das dringende Bedürfnis verspürt, die Welt aus dieser Perspektive zu betrachten, ist mir bis heute schleierhaft. Handelte es sich um eine spontane turnerische Darbietung? Oder wollte man lediglich überprüfen, ob die im Training erworbene Körperspannung nach mehreren Stunden geselligen Beisammenseins noch vorhanden war? Wir werden es wohl nie erfahren.
Das Resultat dieser kreativen Phase wird bis heute sehr unterschiedlich beurteilt.
Fest steht lediglich: Der gemütliche Grillabend entwickelte sich zu späterer Stunde zu einer Veranstaltung, bei der sportlicher Ehrgeiz, künstlerische Selbstverwirklichung, Schwerkraft und möglicherweise auch das eine oder andere Getränk eine etwas unglückliche Verbindung eingingen.
Über allfällige Schäden wurde derzeit noch Stillschweigen vereinbart. Die Gebäudeversicherung hat auf jeden Fall ihre Arbeit aufgenommen. Ob bereits ein Statiker beigezogen wurde, ist nicht bekannt. Augenzeugen werden gebeten, vorhandenes Bildmaterial ausschliesslich zu Beweiszwecken aufzubewahren und keinesfalls in der Zischtigsgruppe zu veröffentlichen.
Dennoch: Alles in allem durften wir einmal mehr eine äusserst gelungene Velotour erleben – gut 30 Teilnehmende, hochsommerliche Temperaturen, bestes Wetter, perfekte Glut, feines Essen und einen ausgesprochen gemütlichen Abend, zu dessen Gelingen wohl auch der eine, zweite, dritte – und Gerüchten zufolge noch weitere – traditionelle Appenzeller Alpenbitter ihren nicht ganz unwesentlichen Beitrag leisteten.
Ein ganz herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an alle Helferinnen und Helfer sowie an unsere Salat- und Dessertköchinnen und -köche, die mit ihren feinen Kreationen wesentlich zum Gelingen des Abends beigetragen haben.
Ich freue mich bereits jetzt auf die nächste Velotour.
Petrus ist wieder gebucht, die Gebäudeversicherung vorsorglich informiert – und sofern das Gebäude bis dahin wieder freigegeben ist, sehen wir uns in einem Jahr!
Beni Wyss





