Die Willisauer Gefühlslage war nach der Premiere in Willisau zweigeteilt. Einerseits war das OK glücklich über die erstmalige Durchführung der Wintermeisterschafts-Schlussrunde der 1. Liga Damen- und Herrenteams im Luzerner Hinterland. Der Blick auf die Tabelle war jedoch für den STVW am Ende des Tages ernüchternd. Beide Teams mussten äusserst knapp den Abstieg in die 2. Liga hinnehmen.

Die Willisauerinnen hatten vor der Runde am Samstag einen Punkt Rückstand auf Küssnacht – und genau auf dieses Team trafen sie als erstes. Die Devise war daher klar: Es musste ein Sieg her. Wie immer gegen Küssnacht war die Partie sehr ausgeglichen. Die Küssnachterinnen trafen vor allem mit Weitschüssen, das Heimteam war unter anderem auch mit Penaltys erfolgreich. Kurz vor Schluss stand es Unentschieden, als die Schwyzerinnen nochmals in den Angriff kamen. In den letzten Sekunden verfehlte der Wurf der Küssnachterinnen den Korb, doch der Abpraller landete erneut bei einer Gegnerin. Beim Nachwurf war eine Hand einer Willisauer Spielerin noch am Ball, so dass Küssnacht einen Penalty zugesprochen wurde – und diesen schliesslich versenkte. Der Frust über die knappe Niederlage war bei den Willisauerinnen nach der Partie gross. «Wir haben es vor allem in der zweiten Halbzeit in der Offensive vergeben, wo wir zu wenig effizient waren. Diese Niederlage mit dem Penalty kurz vor Schluss ist sehr bitter», sagte Coach Anja Sommerhalder nach der Partie.

Danach hatten die Willisauerinnen nichts mehr zu verlieren. Und das spürte man. Gegen Unterkulm, Urtenen 2 und Wolfenschiessen wirkte das Team wie befreit und begeisterte das Publikum mit Spielwitz. Die Stimmung in der Halle war grossartig, die «Willisau»-Rufe schienen das Team zusätzlich zu beflügeln. So gelang gegen Unterkulm nach einem harzigen Start ein souveräner Auftritt mit einem 10:7-Sieg. Noch beeindruckender war der Auftritt gegen Urtenen 2. Gleich zu Beginn gelangte das Team in Front, auch eine eine kurze Baisse nach dem Pausentee in der die Bernerinnen ausgleichen konnten, beirrte das Heimteam nicht. Mit dem letzten Angriff gelang ein sehenswerter Weitschuss, der schliesslich zum vielumjubelten 10:9-Sieg reichte.

Nun gab es für die Willisauerinnen doch noch Hoffnungen auf den Ligaerhalt. Sollte Küssnacht gegen Menznau verlieren und der STVW gegen Wolfenschiessen reüssieren, würde das Team in der obersten Liga verbleiben. Auch dieses Spiel war ein stetiger Schlagabtausch. Mit den heimischen Fans im Rücken aktivierten die Willisauerinnen nochmals alle Kräfte. Kurz vor Schluss gelang ihnen per Weitschuss der Ausgleichstreffer. Doch die Zeit reichte nicht mehr, um nochmals in den Angriff zu kommen. Weil die Menznauerinnen gleichzeitig gegen Küssnacht gewannen, kürten sich diese zu den Innerschweizer Meisterinnen. Willisau hatte schliesslich wie Küssnacht sieben Punkte auf dem Konto. Doch aufgrund der Direktbegegnung retteten sich die Schwyzerinnen im Kampf um den Verbleib in der 1. Liga. «Es ist sehr schade. Wir haben an diesem Samstag die beste Leistung in dieser Saison gezeigt und fast wieder eine Wende in der Schlussrunde geschafft. Den Ligaerhalt haben wir definitiv in den ersten beiden Spielrunden vergeben», so Sommerhalder. «Der Abstieg ist für uns jedoch kein Weltuntergang. Es ist ein Ansporn, uns weiter zu verbessern und uns nächstes Jahr wieder nach oben zu kämpfen.»

Die Goldmedaille bei den Frauen holte Urtenen 1 vor Urtenen 2, da diese als Berner Teams nicht zum Meistertitel berechtigt sind, kam Menznau auf Rang 3 zum Handkuss.

Das Willisauer Herrenteam startete mit einem Punkteabzug von fünf Zählern in die Schlussrunde, weil der STVW das Schiedsrichterpensum seit zwei Jahren nicht erfüllt. Dadurch wiesen sie ein Minus von zwei Punkten auf, Bözberg lag plötzlich mit ihrem einen Zähler auf dem vorletzten Rang. Daher war das Ziel in der letzten Runde klar: Ein Sieg im Direktduell gegen Bözberg sowie mindestens ein Punkt gegen Hergiswil oder den Tabellenführer Hausen waren erforderlich.

Die erste Chance bot sich gegen den Trainingspartner aus Hergiswil. Der Start gelang gut, und bis zur Pause konnte sich der STVW mit 3:1 einen kleinen Vorsprung erspielen. In der zweiten Hälfte erwachten die Hergiswiler jedoch und drehten die Partie. Am Ende mussten sich die Willisauer äusserst knapp mit 5:6 geschlagen geben. Nun hiess es «Verlieren verboten» gegen den Tabellenführer. Hier missglückte der Start und der STVW lag bis zur Pause mit 2:4 zurück. Nochmal wurde das Team maximal motiviert, um den Abstieg doch noch zu verhindern. Die gewünschte Reaktion kam und bis kurz vor Schluss konnte der Ausgleich erzielt werden. Mit dem letzten Angriff gelang dem Team aus dem Kanton Zürich doch noch der Siegtreffer zum 7:6 und für Willisau der definitive Abstieg in die 2. Liga.

Nun wollte man sich vor dem heimischen Publikum noch einen positiven Saisonabschluss bescheren. Bözberg schwächte sich schon früh im Spiel selber mit einer Notbremse und der daraus folgenden roten Karte. Dies nutzte das Heimteam erbarmungslos aus und ging mit einer 9:1-Führung in die Pause. Auch in der zweiten Hälfte spielte der STVW im gleichen Stil weiter und gewann das Spiel am Schluss klar mit 16:4. Der verletzte Spielertrainer Kilian Mühlemann bilanzierte nach dem Tag: «Der knapp verpasste Ligaerhalt ist enttäuschend, zugleich ist uns bewusst, dass dies vermeidbar gewesen wäre. Zu oft gingen Spiele mit einem Korb Unterschied verloren.» Das Herrenteam werde sich nun zusammensetzen und gemeinsam über die Zukunft des Teams beraten.

Gold ging bei den Herren an das Team aus Hausen, den Meistertitel holte Menznau 1 auf Rang 2 vor Menznau 2.

Und wie zufrieden ist das OK mit dem Spieltag? «Ich bin zwiegespalten. Einerseits ist es frustrierend, weil beide Teams hauchdünn abgestiegen sind. Mit der Durchführung des Anlasses sind wir jedoch sehr zufrieden», sagte OK-Präsident Ruedi Wermelinger nach dem Spieltag. Er habe viele positive Rückmeldungen erhalten, die Runde in Willisau sei gut angekommen. «Der Anlass verlief ohne Probleme. Einzig haben wir am Morgen gemerkt, dass die Penaltyräume nicht eingezeichnet waren. Wir hatten jedoch noch genug Zeit, diese abzumessen und abzukleben.» Er spricht seinen drei OK-Gspändli ein grosses Dankeschön aus, die alles sehr engagiert super vorbereitet hätten. Eine 1.Liga-Schlussrunde in Willisau wird es im nächsten Jahr nicht mehr geben, da beide Teams abgestiegen sind. «Ich finde jedoch aufgrund der Zuschauerzahlen und der Stimmung in der Halle, dass es sich gelohnt hat, den Korbballsport wieder mehr in der Region zu zeigen. Ich hoffe, dass nächstes Jahr ein Verein erneut eine Schlussrunde ausserhalb von Luzern durchführen möchte.» (fmü/kmü)