Matchvorschau des Willisauer Boten

*** Bericht des Willisauer Boten, Ausgabe vom 7. November 2025, Autor: Patrik Birrer ***

Herren 1, 1. Liga, TV Dagmersellen – STV Willisau // am Samstag, 8. November 2025, um 18 Uhr, Dagmersellen Chrüzmatt

Es ist wieder Derbyzeit! Morgen Samstagabend empfängt der TV Dagmersellen den STV Willisau. Aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs dürften die Gäste aus dem Hinterland zu favorisieren sein. Aber das will bei diesen besonderen Duellen vor meist grossartiger Kulisse nur wenig heissen.

Seit dem letzten 1.-Liga-Derby zwischen den Handballern aus Dagmersellen und Willisau sind 238 Tage vergangen. In dieser Zeit hat sich bei beiden Teams nicht zuletzt in personeller Hinsicht einiges verändert. Die Hinterländer mussten die Abgänge ihrer beiden besten Torschützen der vergangenen Saison (Mark Büchli wechselte zu Handball Emmen in die NLB, kann mit einer Talentförderlizenz aber weiter für die Willisauer auflaufen; Jan Peter ist zurückgetreten) verkraften. In den ersten sechs Partien der neuen Spielzeit ist ihnen das mit sieben Punkten durchaus ansprechend gelungen.

Beim TVD war der Umbruch noch grösser. Unter dem Trainerduo Angela Dolder (bisher)/Thomas Graber (neu) erhalten zahlreiche junge und auf 1.-Liga-Niveau noch weitgehend unerfahrene Spieler viel Einsatzzeit. Sportliche Wunderdinge sind unter diesen Voraussetzungen keine zu erwarten. Und so rangieren die Dagmerseller, die Ende vergangener Saison sportlich abgestiegen waren und dann am «grünen Tisch» den Ligaerhalt noch schafften, nach sieben Partien mit nur einem Sieg und total drei Punkten auf dem vorletzten Rang.

Den Jungen Vertrauen schenken

«Es lief bisher in etwa so, wie es zu erwarten war», sagt TVD-Trainer Thomas Graber. In jedem Spiel hätten sie gute bis sehr gute Phasen gehabt, in denen die jungen Spieler ihr Potenzial abrufen konnten. «Aber es gab eben auch die Ausschläge nach unten, Spielabschnitte, in denen wir uns zu viele einfache Fehler geleistet haben. Und das wird auf diesem Niveau knallhart bestraft.» Deswegen vom eingeschlagenen Weg abzuweichen, sei keine Option. Auch nicht für das für viele Vereinsmitglieder und alteingesessene Fans so wichtige Derby gegen Willisau? «Auch für das Derby nicht», stellt Graber klar. Natürlich könnten sie versuchen, ihre routinierten Leistungsträger wie Urs Oggier und Dominik Sommer mehr als in den bisherigen Partien zu forcieren. «Aber selbst damit hätten wir ja keine Gewähr, die Willisauer zu besiegen. Wir wollen und werden unseren jungen Spielern auch im Derby das Vertrauen schenken.» Bedenken, diese könnten von der besonderen und nicht selten hitzigen Atmosphäre überfordert sein, hat Graber nicht. «Es gibt doch nichts Schöneres, als vor einer solchen Kulisse Handball zu spielen. Das ist nicht vielen Teams auf unserer Stufe vergönnt. Die Jungs sollen die Affiche geniessen und ihr Bestes geben.»

Für TVD-Trainer Thomas Graber könnte das ohnehin besondere Derby gegen Willisau noch zusätzlich speziell werden. Denn: Sein Sohn läuft nun in der zweiten Saison für die Hinterländer auf. Ob das familieninterne Duell allerdings steigen kann, ist ungewiss. Niklas Graber ist seit Anfang Juli im Militär, hat deshalb nicht mehr mit dem Team trainieren können und stand zuletzt nicht im Aufgebot der Willisauer. Gleichwohl habe es im Vorfeld zu Hause natürlich die eine oder andere Stichelei gegeben. «Das gehört dazu, hielt sich aber absolut im Rahmen. Wir beide, die ganze Familie, Verwandte und Bekannte freuen uns auf das Spiel», so Thomas Graber.

Willisauer sind im Soll

Vorfreude, aber keine übermässige Anspannung: Was die Verantwortlichen im Lager des TVD predigen, gilt auch beim Derby-Rivalen aus Willisau. Trainer Frank Stein meint gar: «Es ist für uns ein Spiel wie jedes andere. Wir bereiten uns vor wie immer und fahren am Samstag nach Dagmersellen, um dort unsere Aufgabe bestmöglich zu erfüllen.» Seinen Spielern habe er im Verlauf der Woche vor allem eines mit auf den Weg gegeben: «Freut euch auf das Spiel, auf eine tolle Kulisse und versucht einfach, euer Bestes zu geben.»

Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist der Willisauer Trainer zufrieden. Mit sieben Punkten aus sechs Partien seien sie «im Soll», so Stein. Individuell, in spielerischer Hinsicht als Team und besonders im mentalen Bereich seien Fortschritte zu erkennen. Als Beispiel zieht er die letzte Partie gegen Frick her an. «Im Vorjahr hätten wir dieses Spiel noch verloren. Nun behielten wir einen kühlen Kopf, als der Gegner immer näher herankam. Wir fokussierten uns auf unsere Aufgabe und zogen unser Ding durch. Das stimmt mich positiv.»

Dass sein Team den letzten Ernstkampf vor mittlerweile fast zwei Wochen bestritt, sieht Frank Stein nicht als Nachteil an. «Wir haben vergangene Woche etwas intensiver trainiert, weil wir am Wochenende kein Spiel hatten. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen darüber, dass die Jungs nicht bereit sein könnten.» Davon, dass sein Team aufgrund des bisherigen Saisonverlaufs im Derby zu favorisieren sei, will er nichts wissen. «Schauen Sie sich doch die bisherigen Resultate an. Die Gruppe ist extrem ausgeglichen, die Tabelle hat noch immer kaum Aussagekraft. Deshalb wird es auch am Samstag ein Spiel auf Augenhöhe geben, das beide Teams gewinnen können.»

Besondere Lehren aus den aus ihrer Sicht gar nicht wunschgemäss verlaufenen Derbys der vergangenen Saison (28:28 zu Hause; 25:26-Niederlage in Dagmersellen) hätten sie nicht gezogen. «Was war, interessiert uns nicht. Wir können es ohnehin nicht mehr ändern und verschwenden deshalb keine Gedanken daran. Unser Blick geht nach vorne. Am Samstag zählt es. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken und werden versuchen, unser Spiel zu machen. Dann sehen wir, wie es ausgeht.»

 

*** Bericht des Willisauer Boten, Ausgabe vom 7. November 2025, Autor: Patrik Birrer ***