Matchvorschau
Grosser Cup-Abend für die Handballer des STV Willisau: Morgen Samstag empfangen sie mit GC Amicitia Zürich einen Club aus der höchsten Liga des Landes. Sportlich dürfte die Aufgabe kaum zu bewältigen sein, doch die Hinterländer wollen ihre Haut so teuer wie möglich verkaufen.
*** von Patrik Birrer, Willisauer Bote (Ausgabe vom 9.10.26) ***
Es gibt sie immer wieder. Die Geschichten von völlig unerwarteten Cup-Triumphen kleiner Dorfvereine über haushohe Favoriten. Doch besonders im Handball kommen diese nur sehr selten vor (siehe Kasten). Dessen sind sich die Willisauer Handballer vor dem morgigen Cup-Knüller gegen GC Amicitia Zürich aus der Quickline Handball League (QHL) bewusst. Kreisläufer und Sportchef Brian Büchli: «Wir haben absolut nichts zu verlieren und werden von der ersten bis zur letzten Sekunde Vollgas geben. Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Die Chancen auf den Sieg sind für uns sehr gering.»
Für die allermeisten Spieler im Team sei es die erste Partie überhaupt gegen einen Verein aus der höchsten Liga. Das treffe auch auf ihn selbst zu. Als er noch für Handball Emmen in der NLB gespielt habe, hätten sie das eine oder andere Testspiel gegen NLA-Vereine bestritten. «Aber in einem Pflichtspiel ist das auch für mich eine Premiere», so Büchli. Und der 25-Jährige geht noch weiter: «Für viele von uns dürfte diese Partie vielleicht sogar etwas Einmaliges bleiben.» Trotz dieser besonderen Affiche: Die Nervosität im Verlauf der Woche habe sich in Grenzen gehalten. In den Stunden unmittelbar vor dem grossen Spiel dürfte sich das dann schon noch ändern. «Das gehört dazu und soll auch so sein.» Vorbereitet hätten sie sich aber genau gleich wie auf ein Meisterschaftsspiel. Und wie sieht es in Bezug auf den sogenannten Matchplan aus? Auf Bewährtes aus der Meisterschaft setzen oder Neues ausprobieren? «Wohl ein bisschen von beidem», glaubt Büchli. Letztlich gebe das Trainerteam die Marschrichtung vor. «Und wir werden versuchen, diese möglichst gut umzusetzen.» Viel wichtiger als allfällige taktische Feinheiten sei aber etwas anderes: «Wir wollen kämpfen und unseren Fans etwas bieten. Wenn wir möglichst lange resultatmässig einigermassen dranbleiben könnten, wäre das grossartig.»

Ein «Hexenkessel» als Trumpf?
Der 1/16-Final im Schweizer Cup steigt morgen Samstag nicht in der BBZ-, sondern in der kompakteren Hallenbad-Halle. Das mag auf den ersten Blick erstaunen. Gemäss Reto Mehr, Verantwortlicher Spielbetrieb in der Handballleitung des STV Willisau, hätte ein Umzug geprüft werden können. «Aber wir haben uns nach Abwägung aller wesentlichen Punkte dagegen entschieden.» Einerseits rechneten sie seitens GC Amicitia Zürich mit einem deutlich kleineren Fanaufkommen als etwa beim Cupspiel vor zwei Jahren gegen Handball Emmen, als 400 Fans in der BBZ-Halle für tolle Stimmung sorgten. «Zum anderen war es der Wunsch von Staff und Team, in der Hallenbad-Halle zu spielen. Wir alle hoffen, dass unsere Fans stimmungsmässig hier für einen richtigen Hexenkessel sorgen können», so Mehr. Und hoffnungsvoll fügt er an: «In der gewohnten Umgebung ihrer Trainingshalle geniessen unsere Jungs einen echten Heimvorteil. Und im besten Fall verleihen die Nähe zum Publikum und die besondere Atmosphäre unserem Team zusätzlich Flügel.»
Besondere Auflagen seitens Verband gebe es für diesen Cupmatch nicht. Der Aufwand im Vorfeld sei trotzdem relativ gross gewesen. «Bei Cupspielen läuft alles relativ kurzfristig ab. So galt es, zuvor an diesem Termin angesetzte Spiele zu verschieben und neue Anspielzeiten zu finden. Ausserdem werden wir die Kapazität der Festwirtschaft gegenüber ‹normalen› Spielen etwas vergrössern.» Theoretisch wäre auch eine Austragung unter der Woche denkbar gewesen.
«Aber das kam für uns nicht infrage. Wir haben einen attraktiven Gegner zugelost bekommen. Diese besondere Affiche wollten wir zur besten Zeit am Samstagabend austragen», so Reto Mehr.

Wir haben absolut nichts zu verlieren und werden von der ersten bis zur letzten Sekunde Vollgas geben.
Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Die Chancen auf den Sieg sind für uns sehr gering.
Brian Büchli, Sportchef Herren Aktive & Kreisläufer, STV Willisau Handball
Ein Menznauer beim Gegner
Besonders wird das morgige Cupspiel auch für Sven Näf. Der 22-jährige Goalie aus Menznau wechselte auf diese Saison hin aus der Organisation des HC Kriens-Luzern, wo er zuletzt in der NLB für Handball Emmen spielte, zu GC Amicitia Zürich. Dort habe er sich sofort gut zurechtgefunden. «Wir sind ein junges Team mit einigen Spielern aus dem Kanton Luzern und haben es super miteinander.» Mit dem bisherigen Saisonverlauf zeigt sich Näf, der seit Sommer in Zürich-Oerlikon wohnt und neben dem Spitzensport eine Online-Ausbildung zum Fitnesscoach absolviert, einigermassen zufrieden. «Wir haben drei wichtige Siege gefeiert, aber auch den einen oder anderen schlechteren Match eingezogen.» Ganz ähnlich fällt sein Zwischenfazit über seine eigenen Leistungen aus. Hinter Tim Müller ist er nominell Torhüter Nummer 2, doch bisher habe er in allen Spielen viel Einsatzzeit erhalten. «Für den Anfang bei einem neuen Club war es okay. Aber ich habe sicher noch Luft nach oben», so Näf selbstkritisch.
Dem Cupspiel gegen den STV Willisau schaut der Menznauer mit viel Vorfreude entgegen. «In Willisau ist die Handball-Begeisterung gross. Die Stimmung am Samstag wird sicher super.» Trotz zwei Ligen Unterschied würden sie dem unterklassigen Gegner den nötigen Respekt entgegenbringen. «Wir bereiten uns genau gleich vor wie auf einen Meisterschaftsmatch», verrät Näf. Trotzdem dürften sie zu keiner Zeit Zweifel über den Ausgang der Partie aufkommen lassen. «Das hat nichts mit Überheblichkeit zu tun. Aber wenn wir unser Spiel durchziehen, dann muss es eine klare Sache für uns werden.» Davon ist wohl auszugehen. Doch die Willisauer werden unterstützt vom Heimpublikum nichts unversucht lassen, damit es vielleicht eben doch anders kommt.
*** Bericht: Patrik Birrer, Willisauer Bote (Ausgabe vom 9.10.26) ***






