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Freitag, 20. Juli 2018

Spielbericht zum Leitermatch

Wie sich der eine oder andere Leitermatchnostalgiker (da gibt es einige Heilandtonner, um alle «macht’s gut» und «wehe ihr verliert, dann könnt ihr euch in Willisau nie mehr blicken lassen» Botschaften vor dem Leitermatch verarbeiten zu können, haben wir uns eine 80% Sekretärin ins Boot geholt) noch erinnern kann, war es die letzten beiden Jahre nicht immer ein Kinderspiel den Sieg für das FVT Team einzufahren. Klar war es am Ende immer brutal souverän, aber du musst halt auf Tag X deine PS auf die Strasse bringen können. Vom letztjährigen fussballerischen Stelldichein wären aber nur noch wenige Akteure auf Seiten der Lagerkids geblieben. Shams Jafar beispielsweise unterzeichnete nach seiner letztjährigen Leistung einen hochdotierten Uniqlo Sponsoringvertrag und schwebt mittlerweile in anderen fussballerischen Sphären. Aber wie gesagt, das Ding muss zuerst nach Hause gebracht werden.

Die Stimmung war seit der Abreise bei allen Lagerteilnehmern wie auch Leitern super. Während des Tagesausflugs am Donnerstag gab es aber erste gröbere Anzeichen für nimia trepidatione, also übertriebene Nervosität. Beim Mittags-Picknick wie auch in der Churer Badi hörte man bei genauem Hinhören immer wieder leise Winselgeräusche. Für viele Kids wie auch Lagerleiter war 4 Stunden vor dem Spiel des Jahres der Druck enorm – die russische Nationalmannschaft wird vor ihrer Heim-WM nur einen Bruchteil davon empfunden haben.

Als sich alle zum Abendessen für ein kohlenhydratreiches Wettkampfmahl vereinten und mehr oder weniger geräuschlos Happen für Happen runterquälten, passierte etwas Sonderbares. Der Himmel über Bad Ragaz verdunkelte sich und man hörte tiefe Donnerschläge. Plötzlich flog durch ein geöffnetes Fenster eine heruntergekommene, wahrscheinlich eigentlich schon lange pensionierte kolonialsibirische Eule herein, an Ihrem Fuss eine kleine Pergamentrolle. Sie steuerte direkt auf Raphael Häfliger zu und warf das Pergament auf den Tisch. Mit zitternden Händen öffnete er das Pergament und begann mit schwacher Stimme vorzulesen:

«Leitermatch ist nicht nur ein Spiel! Es geht dabei nicht darum gegen die Teilnehmer ein schönes Spiel zu haben oder einfach zu gewinnen. Es geht darum die Teilnehmer zu demütigen und dass dieses Spiel für die Ewigkeit in ihren Köpfen als Niederlage des Lebens eingebrannt ist. Denkt daran, seit existieren des Leitermatchs wurde als Konsequenz der Fifa die Welt- und Europameisterschaft eine Woche vorverschoben, weil sonst das Interesse der Allgemeinheit für eine Fussballweltmeisterschaft schlichtweg nicht vorhanden wäre. Also kämpft für eure Brüder und Schwestern, für die Ehre der ewigen Sieger der Leiter. HOPP FVT und ich hoffe auf einen Live-Ticker!!!
FVT 4-Ever. LG der dessen Name nicht genannt werden darf»

Mit dieser Motivationsrede brauchte sich jetzt definitiv keiner mehr über eine mangelnde Motivationsspritze zu beschweren. Gleich im Anschluss verschob sich der ganze Zegilagertross Richtung Giesserpark für das Spiel der Spiele.

Nach einem kurzen Aufwärmen – auf Leitermannschaftsseite des zweitgrössten Schweizer Turnvereins professionell, auf Kidsseite naja, sie haben sich versucht zu bewegen – liefen beiden Teams begleitet von der Champions-League Hymne ins Estadio die Giesserpark, wo sonst auch Fussballgrössen wie der BVB oder Tupperwareplauschgruppe Sargans ihre Happenings austragen. Ausreden über irgendeine Rasenunebenheit konnten also nicht geltend gemacht werden. Bis auf ein, zwei Doppeladlerversuche ging dann auch die der Schweizerpsalm einwandfrei über die Bühne. Dann kurzer alibimässiger Shakehands und los ging das Fussballfest. Die Spannung war so gross, dass die zwei nebenan trainierenden Bad Ragazer Fussballteams auch ihre Arbeit niederlegten und sich voll auf den Leitermatsch konzentrierten.

Die Mannschaften durften gleichzeitig je sieben Supertechniker auf dem Feld und einen Hexer auf der Linie spielen lassen. Bei den Kids konnte man aber nicht wirklich von Hexern auf der Linie sprechen - im Gegensatz zu dem was da abgeliefert wurde waren die Kapriolen von Loris Karius im Champions League Final 2017 / 2018 schon fast Weltklasseniveau. Gespielt wurden 2 x 20 Minuten, der Matchball hatte weiche 0.6 bar, damit sich die Lagerkids ihre Zechali nicht butti machten aufgrund der Härte.

Apropos Härte – so ging es dann auch los. Von Beginn weg dominierten die Lagerleiter die Partie und gingen zwar immer fair aber gespannt bis in die Fingernägel zu Werke. Einzig die Präzision vor dem gegnerischen Tor war am Anfang noch nicht bei 100%.

Nach knapp 10 Minuten konnte sich Roman Häfliger nach einer Flanke von Bruder Raphael in einem Zweikampf direkt vor dem Tor durchsetzen und netzte zum 1:0 ein. Schiedsrichter Raphael Bättig erhielt aber unmittelbar durch den FVT (Fernsehbeweis für Träumer) - nicht zu verwechseln mit VAR den man von der WM kennt – die Meldung, dass Roman vor der Schussabgabe den Lagerkidsverteidiger hinterlistig während des Zweikampfs die Schnurrsenkel zusammengebunden und dann umgeschubst habe. Das Tor zählte nicht – weiterhin 0:0. Das Gesicht von Roman Häfliger gleichte nach der Aberkennung des Tores einem verendenden Hochmoor oder einem Nacktmull, dem das einzig übrig gebliebene Weibchen gerade von einem Albatross weggeflogen wurde.

Aber nur zwei Minuten später war es dann so weit. Raphael Häfliger setze sein uns allen bisher völlig unbekannte Technik gekonnt ein, verlud zwei Verteidiger problemlos und zimmerte das Leder in die obere Linke Ecke. Der Jubel und der Druckabfall war beim Leiterteam spürbar. Man wollte aber direkt nachlegen, schliesslich hatte die Redaktion beim Lagertext für den Willisauer Bote bereits einen zweistelligen Sieg angekündigt. Trotz zahlreicher graziellen Angriffe wollte vor der Pause das 2:0 nicht mehr gelingen. Man fragt sich jetzt vielleicht, wieso bisher nichts über die Lagerkids erwähnt wurde. Wie auch, die hatten ja auch nur beim Anspiel den Ball. Wie soll man etwas darüber schreiben, wenn sie knapp 3 Pässe an den Mann brachten und 0 Torschüsse zu verzeichnen hatten. Luca Tolusso hatte alleine in der ersten Halbzeit beim Blümelen hinter dem Tor für seine zukünftige Angetraute ein brachiales Bouquet zusammengesammelt.

Nach dem wie schon letztes Jahr nicht vorhandenen Pausentee (Lipton, wie wär’s Mal mit einem Sponsoring?) setze das Leiterteam dann endlich in weitere Tore um. Eingesetzt vom mittlerweile zum FVT Team gestossenen Raphi Bättig zauberte Luca Peter mit der Hacke das Runde durch deine Beine des Kidstorhüters in die Maschen – 2:0.

Jonas Barmi Ecclestone konnte direkt zwei Angriffe später seine jahrelang antrainierte Laufschule in fussballerische Qualität ummünzen und verwertete eiskalt bei seiner ersten Chance zum 3:0.

Jan Peter sollte es dann auch nicht vorbehalten werden, die im FC Willisau Drüü antrainierten Zaubertricks auf den Rasen des Giesserparks zu zaubern. Annahme – Finte – Tor. 4:0

Dass zu diesem Zeitpunkt die Aggressivität und der Siegeswille seitens Leiterteam immer noch auf Siedetemperatur schwebte, zeigte unter anderem der Einsatz von Küchenchef Josef Jans. Er wollte zu einer sogenannten Serengeti-Fräse ansetzen. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass man sich wie eine ausgefuchste Leopardendame an eine Gazelle heranschleicht und dann fair aber gezielt von den Beinen mäht. Leider oder vielleicht auch zum Glück liessen die konditionellen Möglichkeiten von JJ diesen Move nicht zu, er musste noch vor dem Ansetzen aufgrund eines aufgetretenen Sauerstoffmangels ins Zelt transferiert werden.
Den Schlusspunkt dieser absoluten Machtdemonstration setzte dann abermals Luca Peter, der Mann aus Willisau, mit einem weiteren staubtrockenen 1:1 Triumpf in der Hintermannschaft der Lagerkids. Kurz darauf hatte dann Schiedsrichter Roman Häfliger die Einsicht dieses einseitige Spektakel zu beenden.

Am Ende bleibt ein souveränes 5:0 zurück, gefühlte 95% Ballbesitz und nur ein kleiner Ansatz eines Torschusses auf Lagerkids Seite. Auch die Analyse eines Spielers auf Kidsseite fiel für unseren Geschmack etwas dürftig aus: https://www.youtube.com/watch?v=eHKZlXlqcS4

Soll da im nächsten Jahr etwas mehr Spannung reinkommen, würde jeder neutrale Zuschauer wahrscheinlich empfehlen, schon vor Abschluss der obligatorischen Schulzeit abzubrechen und voll auf Fussball zu setzen. Sonst kommen die Lagerkids nie in die Situation sagen zu können, dass sie am Ende des Tunnels ein Licht sehen – und zuversichtlich sind, dass es nicht der Zug ist.

Wem dieses literarische Debakel zu lang ist, soll sich doch ein kühles Getränk holen und den Google Translator Vorlesedienst anschmeissen. Bis zum nächsten Jahr!