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Ein «kleiner» Grosser hört auf


Handball, STV Willisau

Elf Jahre war er als Torhüter und Publikumsliebling beim STV Willisau im Einsatz. Er hat die erste Mannschaft auf dem gesamten Weg von der dritten bis in die erste Liga begleitet und spielte zuletzt noch für die zweite Mannschaft. Von einem Tag auf den anderen musste Roli Borer seine Handball-Karriere nun beenden. Der Grund: Bandscheibenprobleme.

von Monika Wüest

Ganz überraschend ist das für den 37-Jährigen jedoch nicht gekommen. Er hatte schon seit längerer Zeit Probleme mit dem Rücken. Seine Physiotherapeutin habe ihm bereits mehrere Male geraten, mit dem Handball aufzuhören. «Aber es ist mir einfach sehr schwer gefallen, den endgültigen Schritt zu tun und zu sagen: Jetzt höre ich auf», so Borer. Unter der Androhung der Physiotherapeutin, seine Rückenbeschwerden könnten chronisch werden, hat er diesen Schritt jetzt aber getan. Leicht gefallen ist es ihm nicht. «Ich habe eine sehr schöne Zeit gehabt», so der Polizist und Familienvater. «Wir waren immer ein gutes Team. Dieses jetzt verlassen zu müssen, tut schon weh.»

Mit dem Handball angefangen hatte Roli Borer relativ spät. Erst mit 23 Jahren begann er bei der Luzerner Polizei-Mannschaft zu spielen. Als er wusste, dass er nach Willisau versetzt wurde, überlegte er sich, wie er dort möglichst schnell neue Leute kennen lernen könnte. «Als Neu-Willisauer war mir das sehr wichtig.» Roli Borer entschied sich dafür, beim Turnverein Handball zu spielen. «Dort wurde ich gleich sehr gut aufgenommen. Und das als Städter», sagt Borer und schmunzelt. «Überhaupt sind die Willisauer sehr unkompliziert. Es ist leicht, sich hier zu integrieren.» Dieses Kompliment müssen die Willisauer ihrem ehemaligen Torhüter wohl zurückgeben. Denn mit seiner offenen und sympathischen Art hat der reflexschnelle Schlussmann bestimmt selbst einen grossen Teil zu seiner problemlosen Integration beigetragen. Erinnerungen an

«Lees Dreher»

Wenn Roli Borer an die elf Jahre im Tor des STVW zurückdenkt, erinnert er sich an vieles gerne. Die Aufstiege seien aber die «Highlights» gewesen. Besonders in Erinnerung bleiben wird ihm aber ein Spiel. «Eines unser ersten 2.-Liga-Spiele», so Borer. Und zwar eines, das wohl auch vielen Willisauer Fans noch in bester Erinnerung geblieben ist. Es war das Spiel gegen den haushohen Favoriten Sursee, in dem der STVW seine ersten Punkte in der 2. Liga holte. Ein Handball-Krimi, bei dem Thomas Büchli in den letzten Sekunden mit einem «Dreher» aus unmöglichem Winkel das entscheidende Tor schoss. Und bei dem STVW-Goalie Roli Borer mit einem Weitschuss selbst ein Tor erzielte. Auch Roli Borer wird den Willisauer Fans in bester Erinnerung bleiben. Er war stets ein sicherer Rückhalt für den STVW. Wie er dank seiner Schnelligkeit seine kleine Körpergrösse wettmachte und die unmöglichsten Bälle aus den Ecken holte, versetzte die Zuschauer immer wieder in Erstaunen. Und machte ihn neben seiner sympathischen Art zu einem Publikumsliebling. Sein berühmtes «chömid Herre», wird man in den Willisauer Sporthallen aber hoffentlich noch oft zu hören bekommen. Denn Roli Borer kann sich gut vorstellen, «in etwa ein, zwei Jahren» einen Trainerposten zu übernehmen. «Momentan ist mir das ganze jedoch noch zu nah. Es schmerzt noch zu stark, nicht mehr selbst spielen zu können.»