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Wenn jeder Ball doppelt schmerzt
Goalie Thomas Lerch zur aktuellen Situation beim STV Willisau, Herren 1. Liga
Auf der Suche nach einem erfahrenen Torhüter für die laufende Saison wurden die
Willisauer in Person von Thomas Lerch fündig. Ein guter Fang, wie sich
herausstellte.
von Patrik Birrer
«Dieser Sieg war ganz wichtig. Wir haben zwar nicht geglänzt, aber was zählt,
sind die beiden Punkte». Die Erleichterung war STVW-Schlussmann Thomas Lerch
nach dem Spiel gegen Dietikon-Urdorf (siehe Matchbericht auf dieser Seite)
anzusehen. Nach zuletzt schwierigen Wochen mit unbefriedigenden Resultaten tut
dieses Erfolgserlebnis allen Beteiligten gut. «Wir mussten zuletzt harte Zeiten
durchmachen und ich bin froh, dass uns mit diesem Sieg der Befreiungsschlag
geglückt ist», erklärt Lerch. Seine eigene Leistung, im für die Willisauer
richtungsweisenden Spiel, beurteilte er sehr bescheiden: «Ich habe nicht
schlecht gespielt. Andi Schmidli und ich haben zusammen 22 Gegentore bekommen.
Das ist in Ordnung. Unser Defensivspiel hat wieder besser funktioniert als auch
schon. Das macht es für jeden Goalie einfacher.»
Der «Goalie-Lehrmeister»
Der 30-jährige Thomas Lerch stiess neu auf diese Saison hin zum Kader der
Willisauer. Nach vier Jahren, in denen er kaum Handball spielte, und einem
Aufenthalt in Neuseeland, kehrte Lerch erst vergangenes Jahr zurück ins
Handballtor. Neben den jungen Keepern Andi Schmidli und Marcel Mehr ist er der
Routinier im Tor des Willisauer Fanionteams. Von seiner Erfahrung können und
sollen die beiden jüngeren Goalies profitieren. Dass Lerch nach dem Abgang von
Christoph Gieranczyk mehr als nur ein Notnagel auf der Goalieposition ist, hat
er diese Saison schon zur Genüge bewiesen. Speziell in den letzten Wochen war es
für die Willisauer von grosser Bedeutung, auf einen Mann seiner Klasse
zurückgreifen zu können. «Für junge Spieler ist es in Phasen, in denen es einer
Mannschaft nicht rund läuft, immer doppelt schwierig. Dank meiner Routine», so
Lerch weiter, «habe ich in dieser Beziehung sicherlich gewisse Vorteile.»
«Auf dem richtigen Weg»
Auf die zuletzt angespannte sportliche Lage beim Erstligateam des STV Willisau
angesprochen, gibt sich Schlussmann Lerch zuversichtlich: «Man spürt, dass wir
alle zusammen als Team aus diesem Tief heraus wollen. Wir trainieren hart. Ich
bin überzeugt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und es mit uns wieder
aufwärts geht.» Dass es nach gutem Start in die Saison bei den Willisauern zum
Einbruch kam, hat für den Zofinger verschiedene Gründe. «Vielleicht wurden wir
nach unserem guten Saisonauftakt etwas zu überheblich. Ich glaube nicht, dass es
uns an spielerischem Potenzial fehlt, viel eher handelt sich um ein Problem in
den Köpfen von uns Spielern», versucht Lerch den Saisonverlauf zu erklären. Aber
auch der Ausfall von Thomas Büchli sei ein mitentscheidender Faktor für die
fehlende Konstanz im Team. «Uns fehlt der Chef auf dem Platz. Durch Büchlis
Abwesenheit ist auch ein grosses Stück an Erfahrung in unseren Reihen verloren
gegangen», sagt Lerch.
Wie es mit ihm und seinem Team weiter aufwärts gehen soll, weiss Thomas Lerch:
«Wir müssen wieder so locker spielen wie zu Beginn der Saison. Am einfachsten
geht das mit möglichst vielen Siegen. Der Erfolg gegen Dietikon-Urdorf stellt
einen ersten wichtigen Schritt auf diesem Weg dar.» Selbstkritisches Urteil
Dass Handballtorhüter spezielle Persönlichkeiten sind, streitet Thomas Lerch
nicht ab. Trotzdem gebe es keine besonderen Eigenschaften, die allen Goalies
gemein sind. Mit der Ausnahme vielleicht, dass jeder Handballtorhüter bis zu
einem gewissen Grad «ein Spinner sein muss», wie es Thomas Lerch ausdrückt.
«Unerschrockene Gestalten mit der Fähigkeit, auch etwas einstecken zu können,
müssen wir Handball-Torhüter aber ganz sicher sein. Läuft es einmal nicht nach
Wunsch, schmerzt jeder Ball doppelt», spricht Lerch aus eigener Erfahrung. Und
weiter: «Zum Handballgoalie wird man geboren oder eben nicht.»
Mit dem bisherigen Saisonverlauf seines Teams ist Lerch nicht zufrieden. Und
auch seine eigenen Auftritte beurteilt er äusserst selbstkritisch. «Als letzter
Mann kann ich theoretisch immer etwas ausrichten. Darum kann ich mit meiner
Leistung nie vollkommen zufrieden sein, wenn wir verlieren». Nun, im letzten
Spiel gabs aus Willisauer Sicht endlich wieder einmal einen Sieg zu bejubeln.
Nicht nur, aber auch dank Thomas Lerch, der seiner Equipe ein sicherer Rückhalt
war. Im bisherigen Saisonverlauf hat er seine Aufgabe im Tor des STVW sehr gut
interpretiert. An ihm liegt es sicher nicht, dass sich die Willisauer zuletzt
schwerer taten, als ihnen lieb war.