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Der Derby-Klassiker als Wegweiser
Handball - 1. Liga der Männer, Gruppe 2
STV Willisau - TV Dagmersellen, Samstag, 17. September 2005, 18 Uhr, Sporthalle
BBZ
Der Start in die 1.-Liga-Saison bringt den Handballfans gleich einen
«Knalleffekt» erster Güte. Der STV Willisau empfängt seinen Erzrivalen TV
Dagmersellen zum Derby.
von Renato Cavoli
Keine vorsaisonalen Geplänkel mehr, kein Taktieren, kein «Warmlaufen» und kein
«langsames Einsteigen»: Der Spielplan der 1. Liga, Gruppe 2, provoziert den
«Kaltstart». Von null auf hundert. Denn selbst wenn nach nur einem Spiel
keinesfalls schlüssige Antworten auf die gesamte Saison möglich sind das Derby
bleibt das Derby. Willisau Dagmersellen kann morgen Abend in der hoffentlich
sehr gut gefüllten Sporthalle BBZ zum Wegweiser werden. Für den neuen Trainer
Albi Gurtner und sein Team, den STV Willisau. Aber auch für das stark verjüngte
Dagmersellen und seine beiden Trainer Lorenz Mühlemann und Thomas Graber.
Das ausgedünnte Willisauer Kader
Der STV Willisau steigt nicht frei von personellen Sorgen in diese Startpartie.
Neben dem wohl noch längere Zeti ausfallenden «shooter» und Lenker Thomas Büchli
verletzte sich im Auftaktspiel der zweiten Mannschaft am vergangenen Wochenende
in Emmenbrücke auch Raphael Fischer. Er hat den Finger gebrochen und fällt für
die nächsten sechs bis acht Wochen aus. Glück im Unglück hatte Torhüter Andi
Schmidli. Er übertrat sich im gleichen Spiel Mitte der ersten Halbzeit den Fuss
und konnte für den Rest der Partie nicht mehr eingesetzt werden. Für das Derby
sollte er aber wieder fit sein. Das wird ganz besonders wichtig sein, denn
Cheftrainer Albi Gurtner muss auf Keeper Thomas Lerch verzichten. Dieser weilt
bis Mitte Oktober geschäftlich in Neuseeland. Und schliesslich fehlt mit dem
verletzten Patrick Felber ein weiterer Spieler im STVW-Dress. Und, nicht zu
vergessen: Philipp Mehr, der mit einer Doppellizenz in die neue Saison steigt,
steht im Kader der SG Zentralschweiz für das Auswärtsspiel gegen St. Otmar St.
Gallen.
«Natürlich muss man diese Absenzen aufzählen. Aber das darf nach dem Spiel nicht
als Alibi für eine eventuelle Niederlage herhalten», sagt Thomas Büchli. «Ich
kenne unser Team. Wir wollen dieses Derby gewinnen. Man wird ein topmotiviertes
und siegeshungriges Willisau sehen. Davon bin ich überzeugt. Wie auch immer der
Match ausgehen wird, eines ist klar: Mangelnden Einsatz wird man unserem Team
nach Spielschluss nicht vorwerfen können. Das Derby», so Thomas Büchli weiter,
«ist für jeden Spieler eine spezielle Herausforderung.»
Kein Heimvorteil?
Büchli bringt dem morgigen Gegner Dagmersellen Respekt entgegen. «Wenn man sie
gewähren lässt, kann diese junge Mannschaft schnell in einen Spielrausch
geraten. Also wird es wichtig sein, von der ersten Minute an aggressiv dagegen
zu halten.» Von einem Heimvorteil will Thomas Büchli nichts wissen. «Natürlich
spielen wir zu Hause und wollen unser Revier verteidigen. Wer will das nicht?
Aber es werden auch sehr viele Dagmerseller Fans in der Halle sein. Und je nach
Spielstand wird man wohl nicht einmal mehr wissen, wer nun hier zu Hause spielt.
Aber vielleicht strafen mich ja unsere Fans Lügen und sorgen mit ihren
Anfeuerungsrufen wirklich für einen Heimvorteil. Das könnte unserem Team
helfen.» Auch wenn Thomas Büchli diesem Derby als Spieler fernbleiben muss
(«noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegegen, wieder aufs Spielfeld
zurückzukehren») freut er sich auf dieses Duell. Und hofft, dass sich keiner im
eh schon ausgedünnten STVW-Kader mehr verletzt. «Nicht auszudenken, wenn jetzt
auch noch ein Dani Schneider oder ein Marco Hansen ausfallen würde» Doch wer mag
sich schon vor dem Derby-Klassiker mit negativen Gedanken auseinandersetzen?
Die Ruhe vor dem Sturm beim TVD
Für einen Berner, so geht die Sage, bleibt der jährlich ausbrechende
Fasnachtsvirus in der Innerschweiz wohl für immer ein Buch mit sieben Siegeln.
Und auch der Derby-Zündstoff vor einem Handballspiel Willisau Dagmersellen
kann einen «Mutzen» nicht aus der Fassung bringen.
Lorenz Mühlemann, Ko-Trainer des TV Dagmersellen, ist ein Berner. Und er muss
schmunzeln, wenn er sieht, wie sehr die Affiche STVW TVD die Gemüter von Fans
und Spielern bewegt. «Natürlich freue auch ich mich aufs Derby», sagt Mühlemann.
«Aber für mich ist das ein Spel wie jedes andere auch. Und weil wir jeden Match
gewinnen wollen, ändert sich auch die Zielsetzung vor diesem Derby nicht.»
Mühlemann hat mit seinem Team, im Gegensatz zum STV Willisau, bereits einen
Ernstkampf hinter sich. Am letzten Wochenende bezwang man in der ersten
Cup-Runde den TV Solothurn mit 34:26. «Dieser Sieg gibt uns so kurz vor der
Meisterschaft Moral, zumal es sich um einen gleichklassigen Gegner gehandelt
hat. Allerdings», so Mühlemann weiter, «gilt es sofort zu relativieren.
Solothurn ist nach diversen Abgängen klar geschwächt. Ich kann mir nicht
vorstellen, dass wir im Verlauf der Meisterschaft noch einmal auf einen Gegner
von ähnlich bescheidenem Kaliber treffen werden.
Um es klar zu sehen: Ich betreibe hier kein derbyspezifisches understatement.
Aber man muss Siege, auch wenn jeder einzelne gut tut, richtig einordnen.»
Lorenz Mühlemann schätzt den morgigen Gegner stark ein. «Willisau ist eine gute
Mannschaft mit einem guten Trainer. Albi Gurtner steigt als neuer Cheftrainer
unbelastet in dieses Derby. Wir stellen uns auf einen hochmotivierten und sehr
spielfreudigen STVW ein. Wir haben das Potenzial, um Willisau zu schlagen. Aber
um dies zu erreichen, muss jeder unserer Spieler sein optimalstes
Leistungsniveau abrufen. Sonst wirds nicht reichen.» Dass der STV Willisau
gleich mehrere Absenzen zu beklagen hat, nimmt Mühlemann zur Kenntnis. Mehr
nicht. «Einen Thomas Büchli kann man nicht eins zu eins ersetzen. Das ist mir
klar. Aber die Willisauer haben, zumindest für diese Startpartie, ja gar nicht
mit ihm gerechnet. Also werden nun andere Spieler in die Bresche springen und
Verantwortung übernehmen. Vielleicht ist unser Gegner ohne Thomas Büchli ja
sogar schwieriger auszurechnen.» Beim TVD sind zwar ebenfalls einige Spieler
angeschlagen. Aber Mühlemann rechnet damit, dass zum Derby alle wieder fit sind.
«Wer will gegen Willisau schon nicht dabei sein?», fragt er, um sich die Antwort
gleich selber zu geben: «Keiner!».
Für Dagmersellen beginnt morgen Abend das «Jahr 1» ohne die langjährigen
Leistungsträger Roger Müller, Roger Staub, Stefan Vogel und Stefan Lüthi. Das
Publikum in der Sporthalle BBZ wird einen neuen, stark verjüngten TVD zu Gesicht
bekommen.