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«Lieber heute als erst morgen»
Handball STV Willisau - Die Leidensgeschichte von Willisau-Captain Thomas Büchli
von Patrik Birrer
Donnerstagabend Training beim Fanionteam des STV Willisau. Nichts
Aussergewöhnliches an sich. Und trotzdem ist es für die ganze Mannschaft eine
spezielle Übungseinheit. Für einen Einzelnen aber erst recht: Thomas Büchli
trainiert erstmals nach langer Verletzungspause wieder aktiv mit der Mannschaft.
Ein erster grosser Schritt auf dem Weg zurück ins Team. Die Rückkehr des
Routiniers und Teamleaders steht kurz bevor. Könnte man glauben...
Die Schmerzen. Die Realität sieht für den Willisauer leider ganz anders aus.
Schon am nächsten Morgen wird Thomas Büchli wieder an seine Rückenverletzung
erinnert. Er verspürt beim Aufstehen starke Schmerzen. Den ganzen Tag kann er
sich kaum bewegen. Und er ahnt bereits zu diesem Zeitpunkt: Mit einem Comeback
in naher Zukunft ist eher nicht zu rechnen.
Das Derby. Seit dem Derby gegen Dagmersellen am 20. November des letzten Jahres
hat Thomas Büchli keinen einzigen Ernstkampf mehr bestreiten können. Das nagt am
bald 36-jährigen Vollblut-Sportler. «Handball bereitet mir so viel Spass. Ich
würde lieber heute als erst morgen aufs Spielfeld zurückkehren», sagt Büchli.
Seit rund einem Jahr schlägt er sich mit chronischen Entzündungen am Ellbogen
und am Fuss herum. Trotzdem hat der begnadete Handballer bis im November auf die
Zähne gebissen und weitergespielt. Rückblickend wohl nicht die richtige
Entscheidung, auch wenn sie aus Sicht des Spielers und des Teams natürlich
nachvollziehbar ist. Denn nun «meldete» sich auch der Rücken und zwang Thomas
Büchli endgültig in die Knie. «Wenn ich zurückblicke, hätte ich viel früher eine
Pause einlegen müssen. Doch das sagt sich im Nachhinein immer so einfach»,
erklärt Büchli.
Der Schock. Die Blessur im Rückenbereich traf Thomas Büchli wie ein Schock.
«Diese Verletzung kam ohne Vorwarnung. Ich hatte in meiner gesamten Zeit als
Handballer nie Probleme mit dem Rücken. Umso härter war es, als ich einsehen
musste, dass es einfach nicht mehr geht.» Die derzeitige Situation ist für den
Willisauer deprimierend. Trotz zahlreichen Untersuchungen kann ihm niemand genau
sagen, woran er leidet. Die Ungewissheit und die Tatsache, dass er an manchen
Tagen völlig schmerzlos ist, aber kaum 24 Stunden später wieder starke Schmerzen
verspürt, machen es für Büchli zusätzlich schwierig. Ein überstürztes Comeback
kommt nicht in Frage. «Ich muss auch an die Zeit nach dem Handball denken.
Natürlich möchte ich so schnell wie möglich wieder spielen. Nur bringt es
nichts, wenn ich mich wegen eines verfrühten Comebacks die nächsten 40 Jahre mit
Rückenproblemen herumplagen muss», so Thomas Büchli.
Die Hoffnung. Beim STV Willisau, das steht ausser Frage, wünscht man sich eine
möglichst baldige Rückkehr von Thomas Büchli. Sein Ausfall hat eine grosse Lücke
hinterlassen. Trainer Robert Walthert hat die Hoffnung auf ein Comeback seines
Captains noch nicht aufgegeben. «Ich hoffe sehr, dass er wieder ganz gesund wird
und zurückkommt. Seine Präsenz auf dem Spielfeld hat für uns grösste Bedeutung.
Mit seiner Routine, seiner Athletik und seiner vorbildlichen Einstellung ist er
für uns praktisch nicht zu ersetzen», so Walthert über Büchlis Qualitäten.
Die Rückkehr
Thomas Büchli selbst arbeitet so hart wie es der Rücken eben zulässt an seiner
Rückkehr aufs Spielfeld. Mit Physiotherapie und Medikamenten versucht er die
Verletzung in den Griff zu bekommen. Ob es klappt, können selbst die Ärzte nicht
mit endgültiger Sicherheit beantworten. Auch im schlimmsten Fall, also einem
Karrierenende, bliebe er dem STV Willisau erhalten. «Viele meiner Kollegen sind
ebenfalls im Turnverein und ich werde mich auch nach meiner Zeit als Spieler
weiter beim STVW engagieren. Der Verein hat mir viel gegeben, es ist langsam an
der Zeit, etwas von all dem zurückzugeben», sagt Büchli.