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Die Früchte einer tollen Arbeit
Handball, 1. Liga der Frauen - Der Rücktritt von STV-Willisau-Trainer
Ernesto Piazza
Ein Mann inmitten einer Gruppe junger Frauen wird in der kommenden Saison
fehlen. Zumindest auf der Spielerbank des STV Willisau. Ernesto Piazza und sein
Rückblick in Freude auf drei tolle Jahre mit «seinen Frauen».
von Renato Cavoli
49 Jahre alt ist er. Erst. Das mag erstaunen. Er ist doch schon so lange dabei.
Als Trainer in Emmenbrücke, in Zug, in Altdorf, in Sursee, in Willisau. Die
Liste ist nicht vollständig. Muss sie auch nicht sein. Ernesto Piazza definiert
sich und seine Handball-Lehrer-Tätigkeit nicht über die verschiedenen Stationen,
an denen er bereits Spuren hinterlassen hat. Er lässt seine Arbeit sprechen.
Auch jetzt, wo er sich anschickt, nach drei höchst erfolgreichen Jahren die
Prioritäten in seinem Leben, zumindest in naher Zukunft, anders zu setzen. «Der
Beruf», sagt er, «lässt derzeit kein so intensives Hobby wie 1.-Liga- andball
mehr zu. Das habe ich zu akzeptieren. Und wenn ich die Prioritäten schon neu
einordne, dann soll mich auch meine Frau Bernadette in Zukunft etwas mehr zu
Gesicht bekommen. Schliesslich haben wir kürzlich in Eich ein Haus gebaut. Man
will sich ja ein wenig einleben und das neue Heim geniessen»
Sensibel reagiert
Ernesto Piazza arbeitet als Finanz- und Personalverantwortlicher bei der Bieri
Blachen AG in Grosswangen, wo er auch Einsitz in der Geschäftsleitung hat und in
seiner Funktion auch für weitere Gruppen- esellschaften dieses Unternehmens
tätig ist. Er hat während der letzten Saison körperlich gespürt, dass die
Doppel-Belastung Beruf/Handball in diesem Mass nicht länger vereinbar ist, ohne
die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Und er, dessen Sensiblität, nach Aussagen
einiger Trainer-Kollegen von Männer-Teams, ihn geradezu für den Frauen-Handball
prädestiniert, hat sensibel und entsprechend richtig auf die Signale seines
Körpers reagiert. «Ich hatte drei fantastische Jahre in Willisau. Im ersten Jahr
verloren wir die ersten beiden Partien, dann haben wir noch einmal unentschieden
gespielt und die restlichen Matches allesamt gewonnen. Inklusive der
Aufstiegsspiele Richtung 1. Liga», wie er hinzufügt. «Das Aufstiegsfest», so
Piazza weiter, «die neu entfachte Begeisterung für den Frauen-Handball in
Willisau, das war einmalig. In dieser Art wohl kaum zu überbieten.»
Wer seinerzeit beim alles entscheidenden Aufstiegsspiel im aargauischen Buchs
dabei war, der gibt Ernesto Piazza recht. Obwohl das Team in den kommenden zwei
Jahren noch eine Schippe drauflegte. Im ersten Jahr hielt man sich problemlos in
der 1. Liga (Rang 6). Und in der eben erst abgelaufenen zweiten Saison reichte
es hinter GTV Basel zum hervorragenden zweiten Rang. «Zwei Spiele werden mir aus
einer ganzen Reihe von denkwürdigen Matches unvergessen bleiben. Der Sieg in der
ersten 1.-Liga-Saison auswärts gegen Leader Altdorf und der Erfolg vor wenigen
Wochen gegen GTV Basel. Solche Spiele sind das wahre Entgelt für einen Trainer»,
sagt Ernesto Piazza. Ernesto Piazza hat den Frauen-Handball im Kanton Luzern in
den vergangenen zehn Jahren als Trainer geprägt. Und er hat in Willisau die
nicht zu unterschätzende Aufbauarbeit von Margrit Bieri-Sidler in einer Art und
Weise fortgesetzt, welche einen Einbruch in naher Zukunft als unwahrscheinlich
erscheinen lässt. Das Team steht es hat 1.- iga-Potenzial. Gewiss: Ohne die
beiden enorm starken Shooterinnen Karin Wirth und Renate Hofer, welche aus
Herzogenbuchsee zugezogen wurden, hätte es kaum zum zweiten Platz gereicht. Aber
vergessen wir nicht, dass die Willisauerinnnen heuer über eine lange Wegstrecke
auf ihre Topskorerin und Spielführerin Sabine Büchli und auf die nicht zu
unterschätzende Kämpferin Sarah Pürro verzichten mussten. Und dass mit Simone
Cranz, Jacqueline Lipp und Fränzi Kreiliger auch junge, eigene Spielerinnen den
Sprung in die Stammsechs, oder in die unmittelbare Nähe davon, schafften.
Keine Frage: Ernesto Piazza übergibt ein gutes Team mit bemerkenswertem
Potenzial an seinen Nachfolger und bisherigen Assistenten Heinz Flückiger. Die
Leaderinnen Karin Wirth, Renate Hofer und Sandra Aebei bleiben. Die Jungen, auch
eine Angelika Heini zum Beispiel, werden unter Heinz Flückiger weiter
Fortschritte machen. Und die Etablierten wie Nadja Schurtenberger, Nicole
Stalder, Eliane Koller oder Sarah Pürro, müssen und werden noch mehr
Verantwortung übernehmen.
Ernesto Piazza tritt verdientermassen ins zweite Glied zurück. Für wie lange?
Das bleibt vorläufig sein Geheimnis.
«Frischer Wind tut gut»
Vier Fragen an Ernesto Piazza
Nachfolgend beantwortert Ernesto Piazza, der zurücktretende Trainer des
Frauen-Fanionteams des STV Willisau, vier Fragen betreffend seiner Zukunft. Und
jener seines (ehemaligen) Teams.
Ernesto Piazza, wie stark wird Ihnen der Handball fehlen?
Ernesto Piazza: Das Kribbeln wird bleiben. Das ist klar. Wenn mein ehemaliges
Team wieder in die Meisterschaft startet, werde ich zumindest mental dabei sein.
Dann jedoch als grosser und interessierter Fan.
Und gibt es nach der von Ihnen selbst auferlegten Pause schon bald eine Rückkehr
auf die Trainerbank?
(lacht) Das haben mich meine Spielerinnen auch gefragt. Und ich habe
geantwortet: «Ich weiss ja erst, wie es tut, wenn es nicht mehr tut» Aber eine
Rückkehr ins Trainermetier ist zumindest nicht ausgeschlossen. Das nicht.
Der STV Willisau bietet Ihnen einen anderen Job im Verein an. Man will Sie nicht
verlieren.
Konkret ist da noch nichts gesprochen worden. Der Aufwand dürfte auf jeden Fall
nicht zu gross sein. Denn ich brauche wirklich etwas Abstand. Und wie ich schon
öfters gesagt habe: Auch die Spielerinnen benötigen einen frischen Wind. Das tut
allen Beteiligten gut.
Ihr Tipp an ihren Nachfolger Heinz Flückiger?
Heinz braucht von mir keinen Tipp. Er bringt die Voraussetzungen mit, das Team
gut und erfolgreich zu führen.