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Die Werbung in eigener Sache - oder das Plädoyer für
Frauen-Handball
Renato Cavoli
Natürlich war da im Willisauer Lager zuerst einmal die Enttäuschung. Drittes
Derby gegen Malters/Menznau - dritte Niederlage. «Aber so nahe dran waren wir in
dieser Saison noch nie», sagte TVW-Trainer Ernesto Piazza. «Wir haben verloren,
weil wir in den entscheidenden Phasen die so genannt hundertprozentigen Chancen
nicht verwertet haben.» Mit dieser Einschätzung war Ernesto Piazza nicht allein.
Markus Lustenberger, Piazzas Trainerkollege bei den MaMes, ortete die knappe
Differenz zusätzlich noch bei der etwas grösseren Ausgeglichenheit in seinem
Kader. «Ich hatte vielleicht mehr personelle Alternativen. Und wir haben die ¦big
pointsÙ dann gemacht, als es wichtig war.»
Dass der Frust bei den Willisauerinnen nicht über alle Massen gross und vor
allem nicht weit über das Matchende hinaus dauerte, lag einerseits an der guten
Gesamtleistung des Neulings und andererseits auch in der Gewissheit, eine höchst
bemerkenswerte Saison mit einer erfrischend guten, kämpferisch einwandfreien
Darbietung abgeschlossen zu haben. «Dass es am Schluss nicht ganz reichte, ist
ärgerlich», sagte Ernesto Piazza. «Aber wir müssen das Positive sehen. Wir haben
16 Zähler erspielt. Mehr, als uns irgend jemand zugetraut hätte. Und wir haben
uns souverän in der Liga behauptet.»
Das dritte Derby der laufenden Saison war auch das Abschiedsspiel für Margrit
Bieri-Sidler. Die Flügelstürmerin beendet mit 40 Jahren eine lange und äusserst
erfolgreiche Karriere. Sie wird dem Team als Integrationsfigur und Leaderin
fehlen. Und fehlen wird auch ihre unbestrittene Klasse auf dem Feld. «Margrit
wird nicht eins zu eins zu ersetzen sein. Aber ich wünsche mir schon, dass wir
die eine oder andere Spielerin nach Willisau holen können, um vor allem unsere
Topskorerin Sabine Büchli zu entlasten», sagt Ernesto Piazza. Und wichtig auch:
Die jungen und bereits Etablierten, wie Nadja Schurtenberger, Sarah Pürro oder
Eliane Koller, sollen in Ruhe in tragende(re) Positionen im Team hineinwachsen
können.
Dass im Lager der Willisauerinnen nach dem Spiel, der Niederlage zum Trotz,
Freude herrschte, war auch auf eine kleine, aber verdiente und spontane Feier
zurückzuführen. Sabine Büchli, Torschützenkönigin der 1. Liga, durfte die
Gratulationen (und Selbstgebackenes von Teamkollegin Sandra Aebi)
entgegennehmen. Stichwort Torwart. Sandra Aebi bot erneut eine starke Leistung,
hielt mit «big saves» ihr Team bis zum Schluss im Spiel und war zusammen mit der
unentbehrlichen Shooterin Sabine Büchli und der unglaublich engagiert und
aggressiv kämpfenden und auch toll skorenden Priska Lötscher herausragend im
guten Kollektiv des TVW.
Und die MaMes? Markus Lustenberger und seine Spielerinnen wollten den dritten
Derby-Sieg unbedingt. «Das war auch eine Art Geschenk für mich», sagte der
Trainer hinterher. In seinem Team verblüfften die Jungen aus der U17-Equipe wie
Svenja Wey oder Anja Wyss. Und die Erfahrenen, wie Astrid Baumeler, Anita
Stöckli oder Martina Schaller. «Wir mussten in diesem Derby leiden und an unsere
Grenzen gehen. Das ist als grosses Kompliment für Gegner Willisau zu werten»,
sagte Markus Lustenberger. «Aber wir konnten das Tempo in den entscheidenden
Phasen erhöhen und bis zum Schluss durchziehen. Und ich hatte bei meinen
Wechseln auch das nötige Glück.»
Letztlich hat die SG Malters/Menznau also alle drei Derbys für sich entschieden
und bleibt regional die Nummer 1 im Frauen-Handball. Doch die Fans, auch jene
der MaMes, sahen vor allem eines: Ein sehr spannendes, interessantes, schnelles
und kämpferisch hoch stehendes Spiel. Es war beste Werbung in eigener Sache.
Oder ein sehr stichhaltiges Plädoyer für Frauen-Handball.