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Der Mann, der gerne Verantwortung trägt
Handball, 1. Liga der Männer: Ramon Schärli vom TV Willisau
Renato Cavoli
EINWillisau? Ramon Schärli, der Mann, der «hinten Mitte» das Spiel des
Handball-Erstligisten Willisau lenkt, hat von der Fusions- eschichte und ihrem
deutlichen Ausgang natürlich auch «etwas mitbekommen», wie er sagt. «Hie und da
wars bei uns vor dem Training ein Thema. Aber mehr, weil wir zwei oder drei Mal
mit leicht reduziertem Kader trainieren mussten, da einige aus unserem Team an
Fusions-Info-Veranstaltungen teilnahmen» Ramon Schärli, der HSW-Student, ist ein
politisch interessierter Mensch, was bei seinem familiären Umfeld nicht weiter
erstaunt. Seine Mutter Yvonne Schärli ist amtierende Regierungsrätin. «Aber mit
EINWillisau habe ich mich nicht vertieft befasst. Grundsätzlich aber denke ich
schon, dass die Fusion Sinn macht. Schliesslich wussten einige Willisauer in
unserem Team ja nicht einmal, wo die Grenzen zwischen Stadt und Land genau
verlaufen»
Ramon Schärli muss schmunzeln, wenn er diese Geschichte erzählt. Überhaupt ist
der gross gewachsene, dunkelhaarige Mann ein sehr offener, witziger
Gesprächspartner. Im Kontrast zu seinem oft verbissenen Gesichtsausdruck, den er
während den Spielen zur Schau trägt. «Stimmt», sagt er, «ich bin schon ein sehr
ehrgeiziger Typ. Aber nicht von Natur aus. So richtig gepackt hats mich in
dieser Beziehung erst in Willisau, wo wir derzeit auf einer richtigen
Erfolgswelle schwimmen und seit nicht weniger als neun Spielen nicht mehr
verloren haben.»
Der TV Willisau hat sich auf diese Saison mit drei Spielern verstärkt. Goalie
Christoph Gieranczyk, Rückraumspieler Ramon Schärli und Kreisläufer Mirco
Stadelmann bilden das Trio, welches von Beginn weg die Integration ins Team
suchte und fand. «Man hat es uns leicht gemacht», sagt Ramon Schärli. «In
Willisau wird viel dafür getan, damit wir uns ausschliesslich auf den Handball
konzentrieren können.» Schärli ist angetan von der Art, wie die Vereinsleitung
mit Beat Mehr dem Team hilft und ein Umfeld schafft, «in dem wir Sportler uns
wohl fühlen.» Diesbezüglich haben Ramon Schärli und Christoph Gieranczyk, welche
beide vom ATV Emmenbrücke nach Willisau wechselten, an ihrer letzten sportlichen
Wirkungsstätte weniger gute Erfahrungen gemacht.
Dass sich der TVW die Dienste von Ramon Schärli ab der laufenden Saison sichern
konnte, hat wie so oft bei Transfers, auch mit dem viel zitierten und nicht zu
unterschätzenden «Vitamin B» zu tun. Robi Walthert, TVW-Cheftrainer, kennt Ramon
Schärlis Vater, erfuhr von diesem, dass dessen Sohn in Emmenbrücke nicht mehr
glücklich ist. Der Kontakt zum TV Willisau folgte schnell. «Robi suchte einen
Spieler für die Position hinten Mitte und einen Goalie. Also fragte ich auch
Christoph Gieranczyk, ob er mich zum TVW begleiten würde», erzählt Ramon Schärli.
Die Fortsetzung ist bekannt «Und wir haben den Wechsel nicht bereut», sagt
Schärli, der mit dem ebenfalls in Ebikon wohnhaften Gieranczyk eine
Fahrgemeinschaft bildet. Die beiden sind auch ausserhalb des Spielfeldes gute
Kollegen. Das spürt man auch während des Spiels. Zum Beispiel zuletzt in Kriens,
als Schärlis erste Gratulation nach dem Schlusspfiff seinem Torhüter galt.
«Christoph hat nach der Pause einige wichtige Paraden gezeigt und unsere
Aufholjagd so auf seine Weise initiiert», windet die Nummer 10 des TVW dem
Schlussmann ein Kränzchen.
Was ist für ein Team, das neun Mal in Folge nicht verliert und derzeit auf Rang
zwei klassiert ist, noch möglich? Ramon Schärli pariert die Frage mit der
gleichen Übersicht, wie er auf dem Feld nicht selten die Angriffszüge des
Gegners voraussieht und unterbindet. «Ich bin der Meinung, dass wir derzeit
schon sehr lange auf einem sehr hohen Level spielen. Also durchaus an die
Grenzen unserer mannschaftlichen und individuellen Substanz gehen. Wenn wir das
so durchziehen, dann ist die Qualifikation für die NLB-Aufstiegsrunde nicht
unmöglich. Aber», so Schärli weiter, «auch wir sind nicht gefeit davor, einmal
in ein kleineres Loch zu fallen.»
Nun, das muss ja nicht unbedingt am kommenden Sonntag (16 Uhr) schon der Fall
sein, wenn der TV Willisau in der Erlen-Halle auswärts gegen Emmen United
antritt. Diese Mannschaft ist das Fusionsprodukt zwischen HC Emmenstrand und ATV
Emmenbrücke, also letztlich zumindest ein Teil der ehemaligen Mannschaft von
Christoph Gieranczyk und Ramon Schärli. Die Fusion hat bis jetzt noch
nicht die gewünschten Früchte gebracht. Emmen United liegt auf Rang neun und
kämpft noch gegen den Abstieg. «Das», sagt Ramon Schärli, «hat uns am Sonntag
aber nicht zu kümmern. Wir müssen und werden nur auf uns schauen.» Und Ramon
Schärli wird dannzumal wieder das tun, was ihn und sein Spiel auszeichnet und
für den TV Willisau besonders wertvoll macht. Er wird «hinten Mitte»
Verantwortung übernehmen. Und ehrgeizig dafür kämpfen, dass seine Mannschaft
auch zum zehnten Mal in Folge ungeschlagen vom Platz geht.
Zur Person
Name: Schärli
Vorname: Ramon
Geboren: 8. Juni 1979
Zivilstand: ledig
Beruf: HSW-Student (Hochschule für Wirtschaft)
Hobbys: Sport allgemein (Fitness)
Karriere: Von den D- bis A-Junioren bei Borba Luzern. Dann dreijährige Pause
wegen einer Verletzung (Diskushernie). Comeback bei der U21-Elite des BSV Luzern
(ein Jahr). Zwei Jahre beim ATV Emmenbrücke (1. Liga). Seit dieser Saison beim
TVWillisau (1. Liga)
Wohnort: Sonnhaldeweg 2, 6030 Ebikon