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Wenn die Affiche zum Weckruf wird


Handball, 1. Liga der Männer

TV Willisau - TV Dagmersellen,  Samstag 28. Februar 2004, 20 Uhr, BBZ-Halle

Renato Cavoli

Wenn heute Abend zum zweiten Derby der laufenden Saison zwischen dem TV Willisau und dem TV Dagmersellen angepfiffen wird, dann bekommt der Zuschauer so etwas wie das mannschafts-sportliche Gipfeltreffen unserer Region zu sehen. Dass auf so engem Raum gleich zwei Vereine ein 1.-Liga-Team stellen und dazu noch auf die vielen «Eigengewächse» hinweisen können, stellt beiden Vereinen ein eindrückliches Zeugnis aus. Zumal auf Stufe 1. Liga sowohl von den Trainern als auch von den Spielern und der Vereinsführung, ein überdurchschnittliches Mass an Arbeit und Präsenzzeit verlangt wird. Und Halbheiten, etwa Konzessionen personeller Art, sind in der 1. Liga nicht mehr möglich. Robi Walthert, der Cheftrainer des TV Willisau, sagt es deutlich. «Auf dieser Stufe muss ein Handballer schon sehr viel können und muss einige Entbehrungen in Kauf nehmen. Sonst hat er keine Chance.»

Die Handballer von Willisau und Dagmersellen haben den Beweis ihrer Tauglichkeit in der dritthöchsten Klasse längst abgeliefert. Waren in der vergangenen Saison die Wiggertaler das erfolgreichere Team, so hat der «Wind», zumindest handballerisch, heuer klar Richtung Hinterland gedreht. «Willisau ist seit zwölf Spielen ungeschlagen. Da erübrigt sich die Frage nach der Favoritenrolle automatisch», sagt Ivo Häller, Cheftrainer des TV Dagmersellen. Hällers Aussage belegt auch ein Blick auf die Tabelle: Willisau ist auf Rang zwei erster Verfolger von Leader Zofingen - Dagmersellen ist als Achter noch nicht ganz aller Sorgen ledig.

Doch Ranglistenkonstellationen haben für Partien zwischen Willisau und Dagmersellen seit jeher keine allzu grosse Bedeutung. «Die Mutter aller regionalen Derbys» kennt eigene Gesetzmässigkeiten und lebt insbesondere auch von der sportlichen Rivalität der beiden Vereine. «Man braucht zwar Emotionen in unserem Sport», sagt Robi Walthert. «Aber gerade in Derbys muss  man diese kanalisieren und in positive Energie umwandeln können. Wer das schafft, der gewinnt das Spiel.»

Das sieht auch Ivo Häller so. Auch er braucht für das heutige Spiel nicht in die Motivations-Trickkiste zu greifen. «Wir sind noch immer auf Punkte angewiesen. Also müssen wir auf Sieg spielen. Ob der Gegner nun Willisau heisst oder wie auch immer. Aber ich gebe gerne zu, dass Erfolge gegen unseren alten Rivalen noch etwas besser schmecken als Siege gegen irgendein anderes Team.» Und aus was schöpft Ivo Häller für heute seine Zuversicht. «Ganz einfach: Ich kenne den TV Willisau und seine Spieler sehr gut. Überraschen kann mich diesbezüglich gar nichts. Aber um das umzusetzen, was ich mir vorgenommen habe, brauchen wir eine sehr gute Tagesform. Und die hat uns in der laufenden Saison ja schon einige Male im Stich gelassen. Ich hoffe nun, dass die Derby-Atmosphäre auch eine Art Weckruf für meine Spieler ist.»

Einen Weckruf benötigten Robi Walthert und Co-Trainer Ruedi Wyss für ihr Team in dieser Saison nicht so oft. Es läuft den Willisauern hervorragend. «Wir sind in dieser Saison auch in der Lage, uns während eines Spiels taktisch umzustellen und einen verloren geglaubten Match noch zu kehren. Das haben wir vor kurzem gegen Luzern/Stans gezeigt. Wer gegen diesen Gegner mit sieben Treffern im Rückstand liegt und dann noch ein Remis erkämpft, der verfügt über eine intakte Moral und sehr gute physische Ressourcen.»

Doch all das kann heute zur Makulatur verkommen. Willisau strebt das 13. (!) Spiel ohne Niederlage in Folge an - Dagmersellen will Revanche für die Vorrunden-Schlappe (21:26) und braucht Punkte. Das Team zeigte zuletzt gegen Muri (31:31) einen Formanstieg. Und allein schon die Affiche «Willisau» wird die Mannschaft noch um eine Spur engagierter ans Werk gehen lassen.

TVW - TVD: Das ist auch das Derby zweier Handball-Trainergrössen. Beide sind von einem Sieg ihres Teams überzeugt. Und wenn Ivo Häller sagt, er kenne den TVW sehr gut, dann bleibt Robi Waltherts Konter nicht aus. «Das glaube ich Ivo sofort. Aber ich kenne sein Team ebenfalls. Auch er kann mich also heute nicht überraschen.»

Aber einer von beiden wird es mit seiner Mannschaft heute Abend schaffen - hoffentlich

«Wir gewinnen 29:25» Robi Walthert, Cheftrainer TV Willisau

«Wir gewinnen 25:22» Ivo Häller, Cheftrainer TV Dagmersellen