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Biss um Biss bis auf den Knochen
Handball - Der andere Blick auf ein hitziges Derby
von Stefan Bossart
Ein treuer Fan greift zum Stift. Markus ist bereits eine Stunde vor dem Anpfiff
in der Chrüzmatthalle eingetroffen. Am WB-Stand muss er nicht lange überlegen.
Er greift zum Kugelscheiber und wird Abonnent. Schliesslich gehen an diesem
Abend pro verkauftes Abo 30 Franken in die Kasse der U19, eine Spielgemeinschaft
von talentierten Dagmerseller und Willisauer Handballern. «Ich unterstütze die
Spieler gerne. Schliesslich will ich auch in ein paar Jahren noch tolle
Fights sehen», sagt Markus. Bei beinahe jedem Heimpiel des TV Dagmersellen ist
der Horwer im Wiggertal anzutreffen, das GA machts möglich. «Auf das Derby freue
ich mich jeweils besonders. Nicht zuletzt wegen des obligaten Gnagis nach dem
Spiel.»
Bumm, bumm, bumm. Simon (11) und Ramon Häller (9) hauen auf die Pauke, lassen
Trommel und Snare erzittern. Die beiden Brüder feuern ihre Mannschaft an, und
nicht nur sie. «TVD, TVD», tönts zum Takt der Trommelschläge aus den meisten
Kehlen in der dicht besetzten Zuschauerloge. Auf dem Feld wird um jeden Ball
gekämpft. Nicht immer mit erlaubten Mitteln. Auf einige Pfiffe des
Schiedsrichters folgen viele weitere des Publikums, während die jeweiligen
«Sünder» schimpfend oder mit gesenktem Kopf auf der Strafbank Platz nehmen
müssen.
Nicht nur die Spieler schwitzen. Kevin Riedl und Matteo Melchiori sind
gefordert. In weissem T-Shirt und mit weissem Frotteetuch rennen sie alle paar
Minuten auf das Spielfeld. Wo kurz vorher ein Spieler am Boden lag, wischen sie
den Belag mit ihrem Tuch wieder trocken. Schliesslich soll kein Handballer auf
dem Schweiss des andern ausrutschen. Die Pausensirene ertönt, die meisten
Zuschauer sind zufrieden, das Heimteam führt mit 19 zu 15. Während die
Mannschaften in der Kabine neue Kräfte sammeln und sich die Worte ihres Trainers
zu Gemüte führen, wird in der Halle gefachsimpelt. Hält der Vorsprung oder hält
er nicht? Und er hält. Mehr noch. Tor um Tor wird der Abstand nach der Pause
grösser. Kopfschütteln bei den einen Zuschauern, Jubelschreie
undAnfeuerungsrufen bei den andern. 37:25 die Schlusssirene ertönt.
Faire Verlierer. Nach dem Apéro interviewt WB-Redaktor Renato Cavoli die Trainer
und je einen Spieler der beiden Mannschaften. Willisaus Trainer Robert Walthert
sucht keine Ausflüchte für die deutliche Niederlage und lobt das tolle
Dagmerseller Publikum, was ihm Applaus von den Zuschauern einbringt. Beim
anschliesssenden Gnagi-Essen sitzen Willisauer einträchtig neben Dagmerseller
Sportfans und lassen den match Revue passieren. Es lässt sich jedoch nicht
ausmachen, wer von wo kommt. Auch die Willisauer beissen infolge der hohen
Niederlage nicht in den harten Knochen, sondern schneiden das zartrosa Fleisch
von der weissen Schwarte. Und wer wegen des aufregenden Spiels ein flaues Gefühl
im Magen hat und ein Gnagi nicht mehr vertragen kann, tunkt ein Dagmersellerli
in den Senf. Ein Bild, das keine Gemeinsamkeiten mit dem Handballmatch hat: Im
Derby konnten die Willisauer Handballer ihre Gegner nicht «fressen».