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Das Derby - und wieder mit Zündstoff Handball


Renato Cavoli

Derbys, auch die ganz grossen, wie etwa der Eishockey-Kantons-Gigantenkampf zwischen Lugano und Ambri-Piotta, verlieren irgendwann ihren Reiz und verkommen zu ganz «gewöhnlichen» Auseinandersetzungen. «Alles läuft sich irgendwann tot, auch unser Derby», schrieb einst der bekannteste Tessiner Eishockeyjournalist, Alcide Bernasconi.

Und im Handball? Beim «ewigen Derby» Wiggertal gegen Luzerner Hinterland, Dagmersellen gegen Willisau? Hier scheinen die Uhren definitiv anders zu laufen. Noch immer birgt dieser Kampf Zündstoff. Auch morgen Freitag. Denn beiden Teams läuft es derzeit nicht besonders. Beide brauchen Punkte. Beide sind noch nicht aller Sorgen ledig.

In der Vorrunde gewann der TVD vor über 1000 Zuschauern in der Willisauer BBZ-Halle 23:19. Doch auch der Dagmerseller Motor stottert seit einigen Wochen. Wem gelingt der Neustart? Die Ausgangslage ist völlig offen. Der Vergleich TVD TVW bleibt die «Mutter aller regionalen Derbys».


Das «4-Punkte-Spiel» zweier grosser Rivalen


Handball der Männer, 1. Liga, Gruppe 3

Morgen Freitag, 20.15 Uhr, Chrüzmatt-Halle: TV Dagmersellen - TV Willisau

Morgen Freitag empfängt der TV Dagmersellen seinen Kantonsrivalen Willisau. Die Wiggertaler befinden sich momentan in einer Krise und kamen im neuen Jahr überhaupt noch nicht auf Touren. Eigentlich ein denkbar schlechter Zeitpunkt für das Derby aus der Sicht des TVD. Aber schliesslich hatten die Spiele zwischen diesen beiden Teams noch immer ihre eigenen Gesetze. Findet Dagmersellen mit einem Sieg gar wieder zurück zu seiner Form? Oder schafft Willisau den Derby-Coup?

rec./gonzo. Der Tiefpunkt ist, so hoffen die Dagmerseller, erreicht. Mit der Niederlage vom vergangenen Wochenende gegen den Tabellenletzten Sursee bestätigten die Wiggertaler ihre Unsicherheit und unterstrichen damit die Unterform. Vor allem die Art und Weise wie der TVD verlor, gab zu denken. Es scheint, als sei die Unbekümmertheit aus der Vorrunde verschwunden. Zudem fehlte es in den letzten Partien auch an der nötigen Aggressivität - nicht, dass die Mannschaft nicht kämpfen wollte, sie konnte einfach nicht. So machte es zumindest den Anschein.

Grosser Kampfgeist nötig

Trainer Ivo Häller hat darum reagiert und im Training Änderungen vorgenommen, um damit auch ein Zeichen zu setzen. Es wird wieder vermehrt Kondition trainiert. Denn im Gegensatz zur Vorrunde hatte der TVD in den vergangenen paar Wochen sämtliche Partien in der letzten Viertelstunde verloren - zu Beginn der Meisterschaft war es noch umgekehrt. Da entschieden die Wiggertaler die Spiele jeweils kurz vor dem Schlusspfiff zu ihren Gunsten - wie in Willisau. Der TVD bezwang damals den Erzrivalen erst in den letzten Minuten. Es war die wohl stärkste Vorstellung seitens des TVD in der laufenden Saison. Genau so eine Leistung und viel Kampfgeist sind am Freitag nötig, will Dagmersellen eine Chance auf einen Sieg haben.

Noch immer eine Heimmacht?

Dagmersellen muss gewinnen. Es ist ein «4-Punkte-Spiel», aber für beide Teams. Mit einem Sieg könnten sich die Wiggertaler wieder etwas vom Gegner absetzen. Verliert der TVD aber, schliessen die Willisauer punktegleich auf und die Luft in der vorderen Tabellenhälfte wird noch dicker als sie es ohnehin schon ist. Dagmersellen will zeigen, dass es zu Hause noch immer eine Macht ist. «Die Heimniederlage gegen Luzern/Stans II ist genug», meint Aufbauspieler Beat Häller. «Ich will zu Hause kein Spiel mehr verlieren».

«Die Rechnung ist einfach»

Logisch, dass man im Lager der Willisauer nichts von einer uneinnehmbaren Dagmerseller Festung hören will. Auch TVW-Cheftrainer Robi Walthert misst dem Derby von morgen Freitag grosse Bedeutung zu. «Die Rechnung», sagt er, «ist ganz einfach. Gewinnen wir, dann ist die Chance, dass wir den Zug Richtung Spitzengruppe noch schaffen, sehr gross. Verlieren wir, müssen wir uns nach hinten orientieren.»

Die Willisauer starteten mit dem Auswärtssieg gegen die Mythen-Shooters gut ins neue Jahr. Doch schon eine Woche später folgte mit dem mageren 26:26-Remis gegen den Tabellenvorletzten Magden wieder ein Rückschlag. «Wir sind zu wenig konstant», sagt Walthert. Doch für den Vergleich mit Dagmersellen werden die Karten neu gemischt, dessen ist sich Willisaus Trainer sicher. «Wir wollen ruhig und konzentriert an die Aufgabe herangehen. Der TVD ist Favorit, zumal ihnen ihr bester Spieler, Beat Häller, wieder zur Verfügung steht. Wir müssen mit einem kompakten Kollektiv dagegen halten. Da liegt unsere Chance. Und die wollen wir in der Chrüzmatt-Halle mit der letzten Konsequenz wahrnehmen.» Zur Erinnerung: Das Vorrunden-Derby bot auf beiden Seiten ausgezeichnete Handballkost. Und morgen? Lassen wir uns überraschen-

TVW-Absenzen

rec. Nichts Neues an der Personalfront des TV Willisau vor dem morgigen Derby. Dani Schneider (angerissenes Kreuzband), Thomas Büchli (Zerrung), Paul Erni (Bänderüberdehnung) und Pirmin Schöpfer (rekonvaleszent) sind, gemäss Trainer Robi Walthert, mit Sicherheit nicht einsatzfähig.

Wieder mit dabei ist hingegen der routinierte Torhüter Roli Borer, der sich von seinem WEF-Einsatz, wo er als Polizist Dienst hatte, zurückmeldet.


Abstiegsfrage

rec. Der Schweizerische Handball-Verband hat entschieden, dass Ende Saison drei Teams aus jeder Gruppe absteigen. «Dass einige Teams dagegen Einsprache eingelegt haben, wird an dieser Tatsache kaum etwas ändern», glaubt TVW-Trainer Walthert.


Rangliste

1. Luzern/Stans II 11/19
2. Leimental 12/16
3. Dagmersellen 12/15
4. Kriens 11/14
5. Willisau 12/13
6. Basel-Stadt 13/12
7. Mythen-Shooters 13/10
8. Emmenbrücke 12/9
9. Magden 12/6
10. Sursee 12/6.