«Uns hat noch niemand auf der Rechnung»
Handball, 1. Liga der Frauen: TV Willisau
Renato Cavoli
Der 10. Mai 2003. Es sind erst gut vier Monate her, als das Frauen-Fanionteam
des TV Willisau im aargauischen Buchs den erstmaligen Aufstieg in die 1. Liga
feierte. Die Freude war gross, die Sympathie-Kundgebungen der Fans auch. Und das
Bad, welches Aufstiegstrainer Ernesto Piazza in einem der drei Willisauer
Stadtbrunnen eher unfreiwillig «genoss», ist auch schon wieder Vergangenheit.
Was zählt, ist die Gegenwart. Das harte Vorbereitungsprogramm, die Testspiele,
der Saisonstart heute Nachmittag (14.30 Uhr) in Basel- und der Fortgang der
Meisterschaft. «Wir sind bereit», sagt Ernesto Piazza. «Dass uns noch niemand
auf der Rechnung hat, ist eher ein Vorteil. So können wir unbeschwert in dieses
Abenteuer starten und in diese Liga hineinwachsen.»
Dass sich Aufsteiger partout zu verstärken haben, wenn sie sich
«Überlebenschancen» ausrechnen wollen- steht nirgends geschrieben. «Das ist
richtig» sagt Ernesto Piazza, «aber dennoch hätten wir uns gerne ein wenig
verstärkt. Leider hat sich nichts Konkretes ergeben. Doch vielleicht tut sich ja
noch etwas. Für den Moment planen wir mit jenem Team, das den Aufstieg
realisierte. Die Mannschaft ist nach wie vor hungrig, lernbegierig und will auch
eine Stufe höher eine gute Figur abgeben. Das habe ich in den diversen Trainings
und Vorbereitungsspielen gespürt.»
Nicht mehr dabei sind die bereits Ende Saison zurückgetretenen Nicole Stalder
und Andrea Marti-Lütolf. Dazu verliess auch die junge Andrea Andermatt den TVW.
Sie spielt neu in der U19-Mannschaft von Spono Nottwil. Dafür ist nach einer
längeren Verletzungspause die erfahrene Andrea Müller Vogel wieder dabei. Wenn
die Willisauerinnen heute auswärts gegen GTV Basel in die Saison starten, dann
ist ein eingespieltes Team am Werk. «Eine Mannschaft mit einem guten Geist», wie
sich Captain Sabine Büchli-Rudolf ausdrückt. Sie, aber auch Margrit Bieri-Sidler,
Sandra Aebi und Priska Lötscher sind die erfahrenen Stützen einer Mannschaft,
die vergangene Saison als Kollektiv glänzte. Ein Kollektiv, in dem auch die
Fortschritte der jüngeren Spielerinnen klar ersichtlich waren.»
«In der Vorbereitung haben wir gegen einige 1.-Liga-Gegner sehr gut ausgesehen»,
sagt Ernesto Piazza. «Natürlich will ich das nicht überbewerten, wohlwissend,
dass zwischen Test- und Ernstkämpfen oft Welten liegen. Aber ich bin fest davon
überzeugt, dass wir zumindest vom Rhythmus nicht überrascht werden.»
Ein Problem hat der Trainer allerdings geortet. «Unser Kader ist quantitativ zu
dünn. Wenn wir von Verletzungssorgen verschont bleiben, wird das nicht so ins
Gewicht fallen. Wenn aber mehrere Spielerinnen ausfallen, wirds eng», sagt er.
Aus diesem Grund hat man die Transferakten auch noch nicht definitiv
geschlossen. Man hält weiter Ausschau nach Spielerinnen, welche das Team
punktuell ergänzen und nach Möglichkeit verstärken könnten.
Doch vorerst brauchen sich die TVW-Fans noch an kein neues Gesicht zu gewöhnen.
A propos Fans: Die TVW-Frauen hoffen, dass ihr Aufstieg auch publikumsmässig
Auswirkungen hat. Vor allem zu Hause zählen sie auf die moralische Rückendeckung
ihres Anhangs. Zum Beispiel am Samstag, 4. Oktober, 18 Uhr, wenn die
Heimpremiere gegen den HBC Münsingen ansteht.
«Ohne jeden Komplex»
TVW-Trainer Ernesto Piazza
Ernesto Piazza, Ihre Mannschaft feiert heute in Basel die 1.-Liga-Premiere. Ist
der TVW bereit?
Ernesto Piazza (Bild): Ich denke, dass wir bereit sind. Wir haben eine gute
Vorbereitung hinter uns und freuen uns, dass es endlich losgeht.
Ihre Ziele?
Der Ligaerhalt ist natürlich für einen Aufsteiger das erste Ziel. Aber wir
wollen auch zeigen, dass wir in diese Liga gehören und wir werden mit
entsprechender Freude in dieses Abenteuer steigen.
-mit einer praktisch unveränderten Mannschaft.
Wir haben bis jetzt keine so genannten Fremdzuzüge tätigen können. Aber wir
bleiben dran. Doch wir nehmen den Aufstiegsschwung mit. Ich vertraue dieser
eingespielten Mannschaft. Und vielelicht wird ja der Zusammenhalt unser grosser
Trumpf in dieser Saison. Wir werden ohne jeden Komplex die neuen Aufgaben
anpacken. Mit Respekt zwar, aber ohne übertriebene Angst. Gespräch: rec.