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Wie ein Fussballer bei den Handballern für Stimmung sorgt


Podiumsdiskussion nach dem TVW-Saisonschluss

Renato Cavoli

Selbst die feinen Spaghetti vermochten beim Saisonschluss des TVW-Fanionteams nicht darüber hinweg zu täuschen: Die Stimmung war nach der fraglos enttäuschenden Leistung und der daraus resultierenden Niederlage gegen Emmenbrücke logischerweise nicht so, dass von Beginn weg Fest- oder gar Partystimmung aufkommen konnte. Dass die Podiumsdiskussion, eine Stunde nach dem Schlusspfiff der 1.-Liga-Partie, dennoch hörenswert und interessant war, ist den vier Teilnehmern zu verdanken, die mit ihren zum Teil lockeren Statements und Bonmots viel dazu beitrugen, dass der Frust der Niederlage irgendwann an diesem Abend in Vergessenheit geriet.

Roger Felder (Präsident des Innerschweizer Handballverbandes), Robi Walthert (Cheftrainer TV Willisau), Ernesto Piazza (Trainer des TVW-Frauen-Fanionteams) und Patrick Bussmann (Trainer des FC Willisau) waren die Podiumsteilnehmer. Das Willisauer Eis brach als erster Roger Felder, sozusagen der derzeit höchste Innerschweizer Handballer. Der IHV-Präsident lobte die ausgezeichnete Infrastruktur in der schmucken, neuen BBZ-Halle. «Gerade auf dem Land sind solche Hallen für unseren Sport wichtig, geben sie doch dem Nachwuchs möglicherweise den entscheidenden <Kick>, sich für den Handball zu interessieren und sich gegebenenfalls einem Klub anzuschliessen.» Roger Felder versuchte die TVW-Handballer auf seine Weise zu trösten. «So ist der Sport - Siege und Niederlagen gehören dazu. Ihr werdet sicher schon bald wieder Gelegenheit haben, euch am Fanionteam zu erfreuen.»

Patrick Bussmann, der Trainer des lokalen Fussball-Zweitligisten, ortete mentale Willisauer Schwächen sowohl bei den Fussballern, als auch bei den Handballern. «Das ist halt typisch Willisau. Einmal flop - dann wieder top. Das Ganze ist eine Einstellungssache. Aber vergesst bitte nicht: Wir Willisauer sind auch zu ganz Grossem fähig. Heute hat halt der letzte Biss gefehlt. Das habe ich in der jüngeren Vergangenheit auch bei meiner Mannschaft oft bemängeln müssen.»

Logisch, dass der erste Applaus Patrick Bussmann gehörte. Nicht für seinen verbalen Ausritt in die höhere Willisauer Sport-Psychologie. Da erntete er bloss zustimmendes Nicken. Nein, «Bussi» und seine Frau Conny wurden am 3.3.03 Eltern einer gesunden Tochter, namens Lena. «Ein grossartiges Ereignis, mit nichts, aber auch gar nichts zu vergleichen», sagte Bussmann. «Wer es schon mal erlebt hat, der weiss wovon ich spreche. Wer nicht- der soll es doch unbedingt einmal probieren-» Es ist nicht verbürgt, wie viele «Nachwuchs-Projekte» an den diversen Tischen nach Bussmanns flammendem Appell diskutiert und für die nahe Zukunft programmiert wurden-

Robi Walthert, der Cheftrainer des TVW, hat sicher schon angenehmere Podiumsabende erlebt. Zusammen mit Ruedi Wyss ist er für die Belange der ersten Mannschaft zuständig und als Cheftrainer ist er erster Ansprechpartner- auch dann, wenns eher unangenehm ist. «Ich bin schwer enttäuscht», sagte er, «uns hat die richtige Einstellung gefehlt.» Walthert versuchte aber den Blick auch in die Zukunft des Willisauer Handballs zu lenken. «Wir haben sehr viele junge Spieler, die schon in dieser Saison 1.-Liga-Luft schnuppern konnten. Ihnen gehört die Zukunft. Dennoch: Gerade die vielen verletzungsbedingten Ausfälle von routinierten Akteuren haben uns in dieser Spielzeit vieles erschwert. Wir müssen diese Saison schnell vergessen und nach vorne schauen.»

Das tut auch Ernesto Piazza. Doch seine Gedanken gehören bereits dem nächsten Wochenende, wenn sein Frauen-Fanionteam gegen Nottwil anzutreten hat. Die TVW-Frauen haben intakte Chancen, an den Aufstiegsspielen zur 1. Liga teilzunehmen. «Wir wollen dieses erste Ziel mit der letzten Konsequenz anpeilen. Vom Aufstieg spreche ich aber noch nicht. Wir nehmen Schritt für Schritt. Aber wenn es so weit ist, werden wir auch diesen Challenge mit Lust und Freude anpacken.» Piazza sprach die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Handball-Leitung des TVW, und da insbesondere mit Beat Mehr und Erich Marti, an. «Ich habe schon an vielen Orten trainiert, aber oft fühlte ich mich mit meinem Frauenteam als fünftes Rad am Wagen. Das ist hier in Willisau nicht der Fall.» Ernesto Piazza, zusammen mit Beat Sidler wohl der ausgewiesenste Kenner des Innerschweizer Frauen-Handballs, dankte auch den Betreuern der beiden Juniorinnen-Teams. «Auch mit ihnen macht die Zusammenarbeit Spass.»

Roger Felder schliesslich nahm die Gelegenheit wahr, um eines seiner grössten Anliegen zu platzieren. «Wir brauchen dringend Schiedsrichter. Der IHV hat noch immer zu wenig Referees. Die Schiedsrichter zu kritisieren ist einfach, selber auf dem Platz zu stehen und eine Partie zu leiten, dagegen weit schwieriger. Aber es ist eine reizvolle Aufgabe.» Ob sein Aufruf Folgen zeitigt? Zumindest gab Felder auch gleich die Adresse bekannt, wo man sich, falls tatsächlch Interesse am Ref-Amt besteht, melden kann. Beim IHV nämlich, oder gleich beim lokalen Verein.

Den Spruch des Abends lieferte Patrick Bussmann. «Mein Ziel für die Rückrunde? Ich will mit meinem Team Erster werden.» Sagte es, lachte dazu und lancierte geschickt die bald beginnende Rückrunde im 2.-Liga-Fussball.