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Jetzt übernimmt Ernesto Piazza


Handball, TV Willisau (Frauen, 2. Liga)

In der kommenden Saison 2002/2003 gibt es beim Frauenteam des TV Willisau einen Wechsel im Traineramt. Die Ex-Internationale Margrit Bieri-Sidler legt nach vier erfolgreichen und intensiven Jahren ihre Arbeit als Trainerin nieder. Die ehemalige Internationale wird von Ernesto Piazza abgelöst. am. Margrit Bieri-Sidler war 1998 massgeblich an der Gründung des Frauenhandballs in Willisau beteiligt. Als sie dannzumal angefragt wurde, ob sie mithelfen würde, eine entsprechendes Team zusammenzustellen und dieses zu trainieren, zögerte die vom Handballsport «besessene» dreifache Familienmutter keine Sekunde. Der Frauenhandball in Willisau war damit geboren. Mit exakt vorbereiteten und fachlich hochstehend geführten Trainingseinheiten verstand es Margrit Bieri, den Spielerinnen den Handballsport zu lehren. Dass sie vom Handball etwas versteht, lässt sich unschwer am Leistungsausweis der gebürtigen Nottwilerin erkennen: Während mehreren Jahren gehörte sie zu den Schlüsselspielerinnen von Spono Nottwil (NL) mit dem sie auch einige Europacup-Spiele bestritt. Durch ihre aussergewöhnlichen Leistungen auf und neben dem Spielfeld durfte Margrit Bieri-Sidler in den Jahren 1984 bis 1986 mehrere Male das Dress der Schweizer Nationalmannschaft tragen. Sie gehörte zu dieser Zeit eindeutig zu den erfolgreichsten Schweizer Handballerinnen. Nicht zuletzt ihretwegen erlebte Spono Nottwil einen derartigen Handballboom, der bis heute anhält.

Lachendes und weinendes Auge

Heute, nach vier Jahren Traineramt beim TVW legt Margrit Bieri ihren Job mit einem lachenden und weinenden Auge nieder. «Weinend, weil mir dieses Team am Herzen liegt und ich den ausgezeichneten Teamgeist sehr geschätzt habe. Lachend, weil mir die zunehmende zeitliche Belastung einfach zu wenig Zeit für die Familie liess», sagt die zurücktretende Trainerin. Der TVW kann sich glücklich schätzen, dass Margrit Bieri dem Handball und dem Verein weiterhin treu bleibt. In der kommenden Saison hilft sie mit, den Jüngsten das Handball-ABC beizubringen.

Auf der Suche nach einem kompetenten Trainernachfolger sind die Verantwortlichen fündig geworden. Mit Ernesto Piazza konnte eine Persönlichkeit verpflichtet werden, der in Handballkreisen sehr bekannt ist. Als aktiver Spieler hatte Ernesto Piazza mehrere Jahre in der Region, sowie in der 1. Liga gespielt. Durch gezielte Aus- und Weiterbildung beim IHV und SHV eignete er sich das Rüstzeug zum Handballlehrer an. Bei verschiedenen Vereinen in der Zentralschweiz war Piazza ausschliesslich Trainer bei Frauenmannschaften. Dabei hat er auch wertvolle Erfahrungen in der NLB (LK Zug, KTV Altdolf) sammeln können.

Ernesto Piazzas Palmarès

Als vielleicht grösste Stärke von Handball-Fachmann Piazza kann die Kommunikation und die Motivationskompetenz genannt werden. Die letzte Trainerstation war das 2.-Liga-Frauenteam des BSV RW Sursee. Mit dieser Mannschaft hat Piazza soeben den IHV-Meistertitel gewonnen und sich für Aufstiegsspiele in die 1. Liga qualifiziert. Die Verantwortlichen des TVW-Handball und Ernesto Piazza haben bei ihren Verhandlungen gegenseitig zum Ausdruck gebracht, dass ein mehrjähriges Engagement angestrebt wird. Der Chef der Handball-Leitung des TVW, Beat Mehr, blickt zuversichtlich in die Zukunft: «Welchen Stellenwert wir dem Frauenhandball in Willisau beimessen, lässt sich von der zukunftsgerichteten Strategie ableiten. Nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen des TVW werden von sich Reden machen».


Zur Person
Margrit Bieri

Name: Margrit Bieri-Sidler
Adresse: Haldenstrasse 12 b,6130 Willisau
Beruf: Hausfrau und Lehrerin
Geburtsdatum: 29. März 1964
Zivilstand: Verheiratet mit Toni Bieri
Kinder: Antonia (1991), Elias (1993), Felicia (1996)
Hobbies: Handball, Sport allgemein
Stationen als Spielerin: 1976-1988, Spono Nottwil, 3. bis 1. Liga; 1990-1991, HC Malters, 1. Liga; 1991-1993, VH Littau, 1. Liga; 1994-1995, Spono Nottwil, NLA; 1996 VH Littau, 1. Liga; 1998-2002, TV Willisau, 3./2. Liga; 1984-1986, Nationalmannschaft, diverse Einsätze; 1994-1995, Europacup mit Spono Nottwil
Ausbildung als Trainerin: 1982, Jugend & Sport Leiterin 1; 1999, Jugend & Sport Leiterin 2.
Stationen als Trainerin: 1982-1985, Spono Nottwil, Minihandball; 1998-2002, TV Willisau, 3./2. Liga.

Fünf Fragen an Margrit Bieri

Ende Saison endet Ihre Karriere als Spielertrainerin bei der Frauenmannschaft des TVW. Ihre Gefühle, Trainerin der ersten Stunde gewesen zu sein?
Margrit Bieri-Sidler: Es sind vor allem schöne Gefühle. Es bedeutet mir vor allem, persönliche Entwicklungen und interessante Erfahrungen gemacht zu haben. Natürlich habe ich auch Freude am Start des Frauenhandballs in Willisau und bin stolz auf das ganze Team und die erbrachten Leistungen.

Handball als Teamsportart «verkommt» national gesehen immer mehr zu einer Randsportart. In Willisau aber herrscht seit einigen Jahren ein regelrechter Handball-Boom. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?
Dieser Boom ist einerseits auf die hervorragende Arbeit im Verein und in der Handball-Leitung und andererseits auf die Erfolge der 1.-Liga-Mannschaft der Männer zurückzuführen. Diese «Hinterländer»-Begeisterung für den Handballsport ist echt, so lässt sich auch die Jugend begeistern.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunft in der TVW-Handballfamilie aus?
Am Ball bleiben ist mein Motto! Ich werde nächste Saison als Trainer-Kollegin von Gallus Furrer bei den jüngsten Handballern und Handballerinnen des TV Willisau aktiv sein.

Also erübrigt sich die Frage, ob Sie überhaupt ohne Handball sein können-
(schmunzelt) Man muss im Leben immer wieder Entscheidungen fällen. Das ist oft auch biologisch begründet. Das Leben teilt sich nun mal in verschiedene Abschnitte auf. Ich denke, dass ich jeweils die richtigen Entscheide getroffen habe. Ich bin froh, nun etwas kürzer treten zu können und Neues zu erleben. Aber ich bin ebenso glücklich, weiterhin mit dem Handball und dem TV Willisau verbunden zu sein.

Sie haben einen Wunsch frei, den Sie an das Frauenteam richten können-
Ich wünsche dieser Mannschaft und dem neuen Trainer Ernesto Piazza weiterhin Erfolge. Bleibt weiterhin mit viel Power, Freude am Spiel, gu-ter Gesundheit und gutem Teamgeist am Ball. Handball is wonderful - just do it!


Zur Person
Ernesto Piazza

Name: Ernesto Piazza
Adresse: Burgweg 5, 6014 Littau
Beruf: Buchhalter mit Eidg. Fachausweis; Leiter Finanzen, Personal.
Geburtsdatum: 23. April 1955
Zivilstand: Verheiratet mit Bernadette
Hobbies: Handball, Sport allgemein, Lesen (wenn die Zeit reicht)
Stationen als Spieler: HRTV Hochdorf (B-Junior); ATV Emmenbrücke (A-Inter-Junior); STV Luzern (1. Liga). HRTV Hochdorf (2. Liga); ATV Emmenbrücke (2. Liga); HRTV Hochdorf (2. Liga).
Ausbildung als Trainer: Diverse interne und externe Weiterbildungskurse auf Stufe IHV und SHV.
Stationen als Trainer: HRTV Hochdorf (Frauen 2. Liga); BSV Stans (Frauen 2. Liga); LK Zug (Frauen NLB); ATV Emmenbrücke (Frauen 2. Liga, Aufstieg 1. Liga); KTV Altdorf (Frauen NLB); BSV RW Sursee (Frauen 2. Liga, Regionalmeister).

Vier Fragen an Ernesto Piazza

Was unterscheidet in erster Linie den Frauen- vom Männerhandball?
Ernesto Piazza: Sicherlich wird bei den Männern mit mehr Tempo und Kraft gespielt. Richtig schön gespielter Frauenhandball kann aber in technischer Hinsicht schon etwas Besonderes fürs Auge sein.

Was braucht es, um ein guter Trainer einer Frauenmannschaft zu sein?
Nun, bei den Frauen kann auf einen Trainer gerade im zwischenmenschlichen Bereich einiges an Arbeit zukommen. Frauen und Mädchen reagieren hie und da sensibler auf spezielle Situationen, was aber überhaupt nicht negativ sein muss. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, mit Frauen offen zu kommunizieren und sie von den eigenen Ideen zu überzeugen.

Was hat Sie bewogen, die Handballerinnen des TVW zu trainieren?
Ich bin überzeugt, dass hier noch viel Potenzial und Leistungsbereitschaft vorhanden ist. Ich habe beim TVW während dieser kurzen Zeit eine Art Aufbruchstimmung gespürt. Gerade auch bei der Handball-Leitung, die mir von Beginn weg das Gefühl vermittelte, dass man hier zu den Frauen steht. Das Umfeld ist enorm wichtig. Nur wenn man sich wohl fühlt, kann man auch Leistung bringen.

Welchen Stellenwert kann der Frauenhandball in Willisau erreichen?
Mit dem Ligaerhalt ist ein erster Schritt getan. Margrit Bieri hat viel Aufbauarbeit geleistet und einen wirklich guten Job gemacht. An mir liegt es jetzt zu versuchen, mit der Truppe einen weiteren Schritt nach vorne zu machen. Warum nicht irgendwann ein Aufstieg in die 1. Liga?