Regionaler Derby-Klassiker als Publikumsmagnet
Handball, 1. Liga, Gruppe 3, Heute Samstag, 20.15 Uhr, BBZ-Halle, Willisau:
TV Willisau - TV Dagmersellen
Es ist erst das vierte (!) Spiel der noch jungen Saison. Aber es ist das Derby, es ist der
erste von zwei ultimativen sportlichen Vergleichen der beiden regionalen
Handball-Hochburgen Willisau und Dagmersellen. Und das in der neuen prächtigen Halle im
Berufsbildungszentrum Willisau vor einer mit Sicherheit grossen und stimmungsvollen
Kulisse.
Renato Cavoli
Im Fussball pflegte das Trainerdenkmal Sepp Herberger vom Ball zu sprechen, der rund sei,
und infolgedessen seinen eigenen Weg zu rollen pflege. Damit wollte der «Chef» jeweils
die Favoritenrolle von seinem Team abwenden und auf die Unwägbarkeiten im Sport
hinweisen. Im Handball ist das «beharzte» Streitobjekt zwar ebenfalls rund, aber die
beiden Trainer der Erstligisten Willisau und Dagmersellen, Robi Walthert und Ivo Häller,
unterlassen es glücklicherweise, vor dem Spiel mit Platitüden der Herbergschen Art um
sich zu werfen, auch wenn Ivo Häller die Willisauer («vor allem, wenn sie zu Hause
spielen») in der Favoritenrolle sieht.
«TVD mit gesundem Mix»
Robi Walthert kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn diese in Derbys so
ungeliebte Rolle seiner Mannschaft zugeschanzt wird. «Ich kenne den TV Dagmersellen»,
sagt Walthert. «Und ich habe grossen Respekt vor diesem Team, das individuell gut
bestückt ist, einen gesunden Mix zwischen Jung und Alt aufweist und mit dem erfahrenen
und schussstarken Linkshänder Beat Häller über einen nach wie vor exzellenten
Individualisten verfügt. Wir werden», so Walthert weiter, «dem TVD den
grösstmöglichen Respekt entgegenbringen. Denn immerhin», und erneut verzieht sich
Waltherts Gesicht zu einem Lächeln, «stehen die Dagmerseller ja nach drei Spielen noch
immer ohne Punktverlust da, sind also so etwas wie das Team der Stunde.»
Nicht mehr ohne Punktverlust steht hingegen nach dem doch etwas unerwarteten Remis in
Magden der TV Willisau zu Buche. «Wir haben in jener Partie nicht gut gespielt», sagt
der Trainer. «Und gerade dieser Match hat gezeigt, dass wir ein ganz und gar normales
Handballteam sind und in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen müssen. Sonst reicht es
nicht.»
«In Magden ungenügend»
Walthert bemängelte bei seiner Mannschaft in Magden vor allem die psychische
Bereitschaft, das Mentale. «Wir waren mit dem Kopf nicht über die gesamte Spielzeit bei
der Sache», sagt er. Dass er dem Spiel gegen Dagmersellen dennoch ruhig und durchaus auch
mit einer gesunden Portion Zuversicht entgegenblickt, hat mit dem Wissen zu tun, zu was
seine Mannschaft eben auch fähig sein kann, wenn Körper und Geist, also Physis und
Psyche, stimmen. «Allerdings», sagt der zusammen mit Ruedi Wyss für die Belange des TVW
zuständige Cheftrainer, «will ich dieses Derby nicht auf eine Sphäre hieven, die einem
guten Handballspiel nicht mehr zuträglich ist. Wir wollen gewinnen, wie in jedem Spiel.
Und ich habe bei meinen Spielern im Verlauf der Woche bei den Trainings gespürt, dass sie
bereit sind. Und zwar weniger, weil der Gegner Dagmersellen heisst, sondern weil wir am
Eröffnungs-Wochenende unserer neuen Sporthalle im Berufsbildungszentrum mit einem grossen
Publikumsaufmarsch rechnen dürfen. So etwas», weiss Walthert, «spornt jeden Sportler an
und setzt normalerweise zusätzliche Kräfte frei.
Keine Frage: Zusätzliche Kräfte werden die Willisauer heute gebrauchen können, denn
Dagmersellen ist in Fahrt, hat in den ersten drei Spielen der laufenden Saison dreimal
gewonnen. «Es wird ein attraktives Spiel», ist Walthert überzeugt. «Und die
Zuschauerinnen und Zuschauer werden auf ihre Rechnung kommen.»
Jan Peter nicht dabei
Ganz ohne personelle Sorgen steigen die Willisauer nicht in das erste von zwei
Saison-Derbys gegen den TV Dagmersellen. Die Bauchmuskelzerrung von Mario Büchli lässt
seinen Einsatz noch immer nicht zu. Dazu wird auch der von Sursee zu Willisau gestossene
linke Flügel Pirmin Schöpfer fehlen. Er zog sich eine Schleimbeutel-Entzündung zu. Und
schliesslich und vor allem wird auch «Shooter» Jan Peter fehlen. «Er wird uns mit
seinem Handbruch noch gut einen Monat fehlen», bedauert Robi Walthert.
Das Fehlen dieses Trios mag der TVW-Trainer aber nicht als Alibi gelten lassen, sollte
seine Mannschaft nicht den Erwartungen entsprechend spielen. «Dann müssen eben andere
Verantwortung übernehmen», sagt der Trainer.
Wie auch immer: Willisau gegen Dagmersellen ist eine Partie, in welcher jeder Ausgang
möglich ist. Entsprechend gross ist die Spannung vor diesem Duell.
Tolle Arbeit bei beiden Vereinen
Was vor dem Aufeinandertreffen der ewigen Rivalen nicht unerwähnt bleiben darf, ist die
Tatsache, dass hier zwei Mannschaften aus der Luzerner Landschaft auf einem Level Handball
spielen, der Respekt abfordert. Beide Vereine leisten seit Jahren hervorragende Arbeit
auch im Nachwuchsbereich. Dass das Luzerner Hinterland und das Wiggertal je einen
1.-Liga-Spitzenklub stellen und dazu immer wieder in der Lage sind, aus den eigenen
Junioren unverbrauchte, frische Kräfte ins Fanionteam einuzbauen, stellt den
Verantwortlichen ein sehr gutes Zeugnis aus.
Wenn also heute Abend die beiden Refs um 20.15 Uhr den Ball freigeben, steht dem Publikum
ein sportliches Kräftemessen bevor, das anzuschauen sich lohnt. Wie und wohin auch immer
der Ball letztlich rollen wird-