«Schön, dass die Jungen uns Alte herausfordern»
Handball, 1. Liga, TV Willisau: Thomas Büchli vor dem heutigen Auftritt seiner Mannschaft
Heute Samstag, 18 Uhr, BBZ-Halle: TV Willisau - Leimental
Renato Cavoli
Man kann es drehen und wenden wie man will. Und aus ganz verschiedenen Blickwinkeln
betrachten. Und selbst wenn er es nicht gerne hört: Thomas «Lee» Büchli, Willisaus
Nummer 17, ist nach wie vor Dreh- und Angelpunkt seines Teams. An ihm kann sich die
Mannschaft aufrichten. Er ist auch als 33-jähriger noch immer in der Lage, die im
Handball entscheidenden Dinge einzuleiten- oder selber zu tun.
Thomas Büchli ist keiner, der seinen Wert für die Mannschaft, einer Primadonna gleich,
an seinen «Werken», sprich Toren, von denen er regelmässig reichlich viele erzielt, zu
messen. «Ich führe nicht Buch über meine Skorerwerte», sagt er und lacht. «Für
solche Dinge bin ich zu alt. Ich bin Mannschaftssportler. Ich will gewinnen. Und das kann
man nur mit der Mannschaft. Als einzelner stehst du auf verlorenem Posten. Wie viele Tore
du auch immer erzielst.»
Zuletzt, beim feinen Auswärtssieg am vergangenen Samstag in Kriens, waren es übrigens
vier Tore, die auf das Konto von Thomas Büchli gingen. Dani Schneider war mit acht
Treffern der statistisch Erfolgreichste einer Mannschaft, die, so Thomas Büchli,
dermassen ruhig und konzentriert agierte, dass das favorisierte Heimteam aus Kriens nie zu
seinem Spiel fand. «Wir haben die einfachen Dinge richtig gemacht und dafür gesorgt,
dass auch die brillanten Shooter beim HCK, Sokolaj und Pagos, weit weniger Wirkung als
üblich erzielten.» Die letzte Bemerkung unterstreicht Büchlis Aussage zum Wert des
Kollektivs. Die Nummer 17 des TVW geht sogar noch einen Schritt weiter. «Natürlich hat
Kriens keinen guten Tag erwischt. Aber wir haben viel dafür getan, dass der Motor dieser
Mannschaft nicht auf die gewohnten Drehzahlen kam.»
Abhaken, nach vorne schauen. Für Thomas Büchli, den Kaufmännischen Angestellten, zählt
bereits das nächste Spiel, der heutige Auftritt gegen Leimental. «Wenn wir verlieren,
dann war der Sieg gegen Kriens nichts wert», sagt er bestimmt. «Wir können nun in den
verbleibenden drei Partien dafür sorgen, dass man auch im vorderen Tabellenbereich wieder
mit uns rechnen kann.» Thomas Büchli erwartet heute ein schwieriges Spiel. «Aber es
liegt an uns, wie wir mit der offenen Deckung dieses Gegners klar kommen. Wir haben die
Möglichkeiten, taktisch dagegen zu halten. Alles ist eine Frage der Einstellung jedes
einzelnen und der Tagesform.»
Es spricht für die Erfahrung und die in vielen Jahren erworbene Klasse des
Rückraumspielers, dass er keinerlei «wenn, hätte und wäre» zulässt. «Wer auch immer
verletzt ist, wie auch immer wir auflaufen, wir selber können zu einem guten Teil selber
bestimmen, in welche Bahnen letztlich die Partie gelenkt wird.»
Grosse Freude hat Thomas Büchli derzeit vor allem an den jungen Spielern. «Sie sind es,
die uns Alte herausfordern. und das ist schön. Wass mich besonders beeindruckt und
erstaunt, ist nicht die Tatsache, dass der eine oder andere unserer jungen Garde mal skort
oder besonders gut hält. Vielmehr ist es die Einstellung, die Art und Weise, wie sie sich
ins Kollektiv eingeben und auch im Training mitmachen. Man spürt, die wollen etwas
erreichen, bleiben nicht auf halbem Weg stehen, bloss weil ihnen mal ein gutes Spiel
gelungen ist. Dass in der heutigen Zeit so viele Junge die Geduld aufbringen, seriös zu
trainieren und vielleicht auch etwas länger auf ihre Chance zu warten, das stellt dieser
Generation ein sehr gutes Zeugnis aus.»
Keine Frage: Von ihm, dem noch immer mit Leidenschaft Handball spielenden Shooter Thomas
Büchli, können die Jungen lernen und profitieren. Und was die «probables» vielleicht
nicht wissen: Sie fordern die «Alten» im Training heraus. «Und genau so muss es sein»,
sagt Büchli. «Sie müssen uns richtiggehend aus dem Team spielen. Wenn das passiert,
dürfen wir beim TV Willisau ohne Bange in die Zukunft blicken.»
Zwar ist es nun, inklusive den zwei Cup-Partien, bereits der sechste Auftritt des TVW in
der prächtigen neuen BBZ-Halle. Aber noch immer «zehrt» das Team von besonderen
«Kick», den die neue Umgebung mit sich bringt. «Wir haben uns gut eingelebt», sagt
Thomas Büchli. «Spiele wie gegen Dagmersellen vor gut 1000 Fans in dieser Halle sind
etwas Einzigartiges.»